Aus der Geschichte der
Freiwilligen Feuerwehr Großharthau.

In dieser Schrift sind eine Vielzahl von Fakten genannt. Bei aller Genauigkeit wird es nie möglich sein, alles aus der Vergangenheit zu erfahren. Deshalb bitten wir um Nachsicht für die eventuelle Unvollständigkeit und sind jederzeit für sachdienliche Hinweise, Fotos usw. dankbar, die die Geschichte unserer Freiwilligen Feuerwehr betreffen.
Die Jahre vor der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr.
Seit dem Beginn der Menschheit sind wir mit dem Feuer eng verbunden. Ob als Wärme- und Lichtquelle, zur Zubereitung der Nahrung, zur Herstellung von Waffen, Werkzeugen und Maschinen, immer war es Bestandteil unseres Lebens. Und erinnern wir uns nicht gern an die Kindheit, wo die Großeltern am prasselnden Lager- und Herdfeuer Geschichten erzählten? Auch bei der Besiedlung neuer Gebiete nutzte man oft die Brandrodung, um das Land urbar zu machen. Unsere Gegend wurde vor ca. 1000 Jahren besiedelt und damit urbar gemacht. Das Feuer nutzte man aber nicht nur für friedliche Zwecke. Oft wurde es in Kriegen gegen die wehrlose Bevölkerung eingesetzt, indem man ihre Dörfer in Brand setzte. Auch durch Gewitterblitze und fahrlässigen Umgang mit Feuer entstanden viele Brände. Somit mussten sich die Menschen schon sehr früh auch mit der Bekämpfung und Verhütung von Schadensfeuern beschäftigen. Auch unser Dorf blieb von Bränden nicht verschont. Der schlimmste bekannte Brand ereignete sich am 15. August 1793 als ein fürchterliches Gewitter über Harthau tobte und dabei mehrere Gebäude durch Blitze in Brand gerieten. In die Geschichte ging dieser Tag als Schreckenstag von Harthau ein. Auch im Jahre 1813 als französische Soldaten unter ihrem Kaiser Napoleon in Harthau Quartier hatten, brach ein Feuer im Dorf aus. Die Soldaten hatten um sich zu wärmen, viele Lagerfeuer entfacht. Durch starken Wind sprangen die glühenden Funken von den Feuern auf die meist mit Stroh gedeckten Dächer über und zahlreiche Häuser brannten nieder. Die Franzosen waren so erschöpft, dass sie an den Feuern schliefen und ihre Uniformen teilweise in Brand gerieten. Die Dorfbewohner waren beim Löschen der Brände auf sich allein gestellt, denn zu helfen, fiel den Soldaten nicht ein. Verpflichtet Feuer zu verhindern und bei ungewolltem Feuer zu löschen, waren die Einwohner schon vor langer Zeit, denn in Sachsen gab es bereits 1717 eine "Feuer - Ordnung" für die Dörfer. In einer "Feuer - Ordnung" von Sachsen aus dem Jahre 1775 liest man ganz bestimmte Verhaltensregeln zur Verhütung und Bekämpfung von Bränden.
Hier einige Auszüge daraus:
"Cap. II.
Von denen Feuer = Gerätschaften und derer dazu = auch zum Löschen anzustellenden Personen Verrichtungen.
§. 1.
Jeder Besitzer eines Guthes oder Hauses ist schuldig, eine hölzerne Hand = Spritze, eine tüchtige Laterne, wenigstens einen tüchtigen ledernen Eymer, verschiedene 2. 3. 4. bis 12. Ellen lange Stangen, an welchen das Reissig oben von ungleicher Größe entweder angewachsen oder sonst befestiget seyn muss, und einige glatte Stangen nach der Länge und Beschaffenheit derer Feuer = Essen, an welchen oben ein großer runder Ballen von Wirr = Stroh oder Miste, mit einem Lappen umwickelt ist, sich anzuschaffen, auch bey Aufnahme in die Gemeinde, dass er mit solchem Feuer = Geräthe versehen sey, zu dociren, und sind die mit Reissig versehenen Stangen bey einem in einer Stube, Scheune und dergleichen Orte entstandenen Feuer mit gutem Nutzen dergestalt zu gebrauchen, dass man sie von Zeit zu Zeit anfeuchtet, und mit selbigen ins Feuer schlägt, als wodurch das Feuer erstickt wird; mit denen am Obersten Ende mit einem Ballen versehenen glatten Stangen hingegen, wird bey Entzündungen derer Feuer = Essen, wenn zuförderst der am obersten Ende befindliche Ballen sehr nass gemacht worden, in der Esse hin und wieder gefahren, und das Feuer dadurch gelöschet.
§. 2.
Und da über dieses dahin zu sehen ist, dass, außer denen im vorstehenden § pho erwehnten Handspritzen, Wasserbutten, Radebergen, Eymern, Leitern und Feuer = Hacken, nicht nur noch mehrers dergleichen, sondern auch anderes tüchtiges Feuer = Geräthe, an großen, wo es aufzubringen möglich, mit tüchtigen statt des Rohres anzuschraubenen Schläuchen versehenen Spritzen, Trage = Spritzen und Sturm = Fässern, in soferne es nicht schon vorhanden, auf gemeinschaftliche Kosten angeschaffet werde; So ist nur in weitläuftigen und von andern Orten entlegenen Dörfern dergleichen größeres Feuer = Geräthe ungesäumt auf gemeinschaftliche Kosten anzuschaffen, wohl zu verwahren und zu unterhalten, sondern es sollen auch schwache Gemeinden, die vor sich die hierzu erforderlichen Kosten allein aufzubringen nicht vermögen, mit anderen ihnen nahe gelegenen Communen zusammentreten, und sich, wie zu gemeinschaftlicher Anschaffung und Unterhaltung dergleichen Feuer = Geräthes, also auch zu gemeinsamen Feuer = Anstalten."

Aus den vorangegangenen Zeilen liest man, dass die Verhütung, Bekämpfung und die gegenseitige Hilfe bei Bränden eine sehr lange Tradition hat. Und es ist gut zu wissen, dass es auch heute noch Menschen gibt, die bereit sind, diese Tradition fortzuführen.
Was unseren Heimatort betrifft, so finden wir bereits 1744 die "Harthauer Gemein Feuer Ordnung". Sie gibt Aufschluss über die Feuerlöschgeräte, die in jedem Haus vorhanden waren. Bei dieser Auflistung nennt man Feuerharken, Dachleitern, hölzerne und lederne Eimer, große und kleine Hand- und Feuerspritzen. So besaß das Rittergut 1 große und 1 kleine Feuerspritze, 1 große und 4 kleine Handspritzen, 12 lederne und 20 hölzerne Wassereimer, 6 Dachleitern und 5 Feuerharken. Insgesamt zählte man bei 79 Brandkatasternummern 1 große und 1 kleine Feuerspritze, 2 große und 10 kleine Handspritzen, 12 lederne und 200 hölzerne Wassereimer, 61 Dachleitern und 19 Feuerharken.
Die erste Feuerspritze der Gemeinde kaufte man 1798. Die Spritze fertigte Johann Nicolaus Gottlob La-Mar in Dresden. Sie kostete 130 Thaler. Im ersten Teil des Kaufvertrages heißt es: "Einhundert und Dreysig Thaler für Fertigung und ab Lieferung einer neuen Feuer Spritze, für die Gemeinde zu Hartha ."
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1836 besass die Gemeinde neben 1 Feuerspritze, noch 3 Feuerharken und 3 Dachleitern. Diese Geräte waren bei Einwohnern untergestellt.
Seit wann es in unserem Heimatort eine organisierte Feuerwehr gibt, ist nicht mehr bekannt. Bis 1874 war die Ortsobrigkeit für die Durchführung der Löscharbeiten verantwortlich. Durch die revidierte Landgemeindeordnung aus dem Jahre 1873, sie trat 1874 in Kraft, musste auch in unserem Ort der Gemeindevorstand das Feuerlöschwesen leiten. Der Gemeindevorstand bestimmte dazu die Männer, welche für die Pflichtfeuerwehr geeignet waren. Sie bestand aus der Feuer- oder Spritzenschar, der Rettungsschar, der Bewachungsschar und der Einreißschar. Später sagte man nicht Schar, sondern Mannschaft. Eine Uniform hatte die Pflichtfeuerwehr nicht und man hatte auch sonst nur wenig an Hilfsmitteln zur Verfügung. Nicht nur bei Feuer, auch bei Unwetter, wie Sturm und Hochwasser, leistete die Ortswehr Hilfe. Im Jahre 1882 erfolgte die Anschaffung von 1 Feuerleiter und 3 Alarmhörnern für die Feuerläufer. Im Oktober und November 1883 eilte unsere Feuerwehr zur Hilfe bei Bränden in Frankenthal. Eine zweite Feuerspritze kaufte man im Jahre 1889 für 1300 Mark. Für die Funktionstüchtigkeit der Spritzen war der Spritzenmeister verantwortlich. Von 1892 bis 1924 war Schmiedemeister Hermann Paufler Spritzenmeister der Pflichtfeuerwehr, vor ihm war es August Grundmann.
Im Jahre 1839 wird bereits ein Spritzenhaus genannt, wo sich dies befand, ist nicht mehr nachweissbar. 1893 baute man ein neues Spritzenhaus an der Dorfstraße Ortl. Nr. 12 b - heute Straße der Einheit 14 a. Vorher war dort ein kleiner Steinbruch.
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In einem Schreiben des Gemeindevorstandes vom 03. Januar 1903 an die königliche Amtshauptmannschaft Bautzen heißt es:
"Hierdurch die gehorsamste Anzeige, dass besondere Einrichtungen für das Rettungswesen und Krankentransportwesen von der Gemeinde und den hiesigen Fabriken nicht getroffen sind. Eine Freiwillige Feuerwehr mit geübter Sanitätskolonne besteht hier nicht."

In unserem Ort hatten neben dem Bahnhof auch größere Betriebe, wie die Holzwarenfabrik Lange und die Schuhfabrik Rau u. Vogel, eine Betriebsfeuerwehr.
In einer Ausgabe aus dem Jahre 1897 lesen wir in der Zeitung "Der sächsische Erzähler":
"Am 12. Mai fuhr ein brennender, mit Papierabfällen beladener Güterzug von Bautzen kommend in die Station ein. Die Bahnhofsfeuerwehr hatte, trotz ihres schnellen und energischen Vorgehens, alle Mühe, die Vergrößerung des Feuers zu verhindern. Erst dem Eingreifen der Feuerwehr der Arthur Lange'schen Holzwarenfabrik und der überwarten schnellen Inbetriebsetzung der Fabrikdampfspritze ist es zu danken, dass das Feuer nach einstündiger Tätigkeit erstickt worden konnte."

Ein schwarzes Jahr für unsere Wehr war das Jahr 1915, eine Feuerspritze musste abgeliefert werden, denn man brauchte Kupfer für Kriegszwecke. Aber bereits 1916 kaufte die Gemeinde eine neue Handdruckspritze.

Ende November 1921 brannte die hiesige Malzfabrik vollständig nieder. Neben der Pflichtfeuerwehr waren die Feuerwehren von Frankenthal und Bischofswerda am Brandort.

Zu Beginn der 20er Jahre drängte man von Seiten des Gemeinderates auf die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr, denn die Verantwortung stieg zusehends und man versprach sich Entlastung. Hinzu kam, dass es in umliegenden Gemeinden wie Rammenau und Frankenthal bereits seit vielen Jahren eine FFw gab und diese sehr ordentliche Arbeit leisteten. Im Dezember 1923 war es dann so weit.
1923 - Das Jahr der Gründung
In der Gemeinderatssitzung am 06. September 1923 beschloss der Gemeinderat unter Vorsitz von Hermann Kurze, daß eine Freiwillige Feuerwehr in Großharthau gegründet werden soll. Die Gründung der Wehr erfolgte am 08. Dezember 1923 in "Zschiedrich's Gasthaus".
Die damalige Tageszeitung "Der sächsische Erzähler" schrieb dazu in der Ausgabe Nr. 286:
"Großharthau, 10. Dezember. Um das Feuerlöschwesen weiter auszubauen, beschloss der Gemeinderat, die Pflichtfeuerwehr besser zu organisieren, bzw. eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen. Zu diesem Zweck hatte der Gemeinderat am 8. Dezember eine Versammlung einberufen, um den Gemeindebewohnern diesen Beschluss zu unterbreiten. Eine große Zahl Männer, jung und alt, hatten sich in Zschiedrich's Gasthaus eingefunden, um über den Ausbau des Löschwesens zu beraten. In Verhinderung des Gemeindevorstandes Herrn Kurze, eröffnete Herr Gemeindeältester Haufe kurz vor 8 Uhr die Versammlung. Er gab den Zweck der Zusammenkunft bekannt und erteilte Herrn Bezirksleiter Fischer - Bischofswerda das Wort, welcher eingehend über Zweck und Ziele der Freiwilligen Feuerwehren sprach, unterstützt durch Herrn Feuerwehrhauptmann Haufe aus Franken thal. Nach kurzer Aussprache beschloss man, eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen und es zeichneten sich sofort 30 Mann in die Liste ein; somit war die Gründung gesichert. Ein Ausschuss, bestehend aus den Herren Botta, Liebscher, Richter und Nitsche, wurde eingesetzt, die die Verwaltung bis zur vorgenommenen Wahl eines Kommandos leiten werden. Eine Zusage des Bezirksleiters sowie des Hauptmanns Herrn Haufe - Frankenthal, die Wehr in ihrem Auf- und Ausbau zu unterstützen, wurde mit Dank angenommen. Möchten der Wehr noch viele beitreten, streben doch die Freiwilligen Feuerwehren ohne Beruf- und Parteiunterschiede nur nach einem Ziel: in der Stunde der Gefahr rasch und hilfreich unseren Mitmenschen zur Hilfe zu eilen, getreu dem Feuerwehr - Wahlspruch: Einer für alle, und alle für einen."

Die ersten 30 Gründungsmitglieder setzten sich aus 24 aktiven und 6 nicht aktiven Kameraden zusammen. Aktive Kameraden waren die Herren Emil Liebscher, Richard Nitsche, Kurt Botta, Max Hartmann, Albert Fritsche, Alfred Richter, Arno Teich, Martin Schelzel, Georg Gnauck, Georg Richter, Richard Kettner, Richard Lehmann, Franz Moschner, Karl Freudenberg, Alfred Rodig, Hellmuth Steglich, Bruno Lehmann, Alfred Gocht, Martin Thonig, Paul Schossig, Bruno Kurze, Richard Zschiedrich, Walter Rüdrich, Albert Regel und nicht aktive die Herren Edwin Clemens, Ernst Wolf, Ernst Haufe, Franz Paufler, Wilhelm Richter und Emil Hantsch.

Am 18. Dezember hielt man eine Versammlung ab. In dieser wurden die Kameraden Emil Liebscher als Hauptmann, Richard Nitsche als stellvertretender Hauptmann, Max Hartmann als Steigerzugführer, Albert Fritzsche als Spritzenzugführer, Kurt Botta als Feldwebel, Martin Paufler als Zeugmeister Alfred Richter und Hermann Winkler als Rottenführer und Arno Teich als Obersignalist gewählt. Die Wehr war seit der Gründung bereits von 24 auf 40 aktive Feuerwehrmänner angewachsen. Der Kamerad Max Fischer trat am 12. Dezember und die Herren Hermann Winkler, Martin Paufler, Rudolf Botta, Walter Gocht, Bruno Großmann, Walter Richter, Arthur Ufer, Erich Hähnzsch, Erhardt Teich, Kurt Mutscher, Albert Richter, Paul Seidel, Erich Dudel, Walter Grohmann und Erich Grohmann am 13. Dezember als aktive Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr bei. Am 13. Dezember traten als nicht aktive Kameraden die Herren Oswin Hähnzsche, Robert Wagner und der Gemeindevorsteher Hermann Kurze in die Wehr ein. Die Namen der Kameraden wurden in das Kassenbuch der Wehr eingetragen und fortlaufend nummeriert. Diese Nummer stand im Feuerwehrpass als Stammrolle Nr., man unterschied aktive und passive Kameraden. Im Kassenbuch wurde auch Nachweis über die Mitgliedsbeiträge geführt. Der Beitrag betrug monatlich 20 Pfennig. Der aus einem einfachen Faltblatt bestehende Feuerwehrpass steckte in einer blauen Hülle und war 19,8 cm x 14,2 cm groß.
Einen Stempel hatte die Wehr bereits unmittelbar nach ihrer Gründung, denn bereits die ersten Feuerwehrpässe waren gestempelt. Dieser Stempel wurde nur bis Anfang des Jahres 1924 benutzt. Vielleicht ging er verloren. Ihm folgte ein neuer, noch heute existierender Stempel.
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Der FFw standen zum Zeitpunkt der Gründung die beiden Handdruckspritzen für Pferdezug der Pflichtfeuerwehr, wenige Hanfschläuche, einige Leitern, Einreißhaken, Löscheimer und Schaufeln zur Verfügung. Als äußeres Erkennungszeichen trugen die Wehrangehörigen eine Armbinde. Diese trug die Aufschrift "FFG". Den Stoff dazu spendete die Pantoffelfabrikation Clemens & Co, er kostete 400000 M. Den Armbinden folgte im Juli 1924 eine Uniform, bestehend aus grünlichem Schilfleinenstoff, Lederhelm und Koppel. Schulterstücke und Helme waren zum Teil mit einem G für Großharthau versehen. Die FFw war in Spritzen-, Steiger-, Sanitäts- und Signalistenzug unterteilt. Aus zuletzt genanntem entstand später die Musikkapelle. Unter Anleitung ihres ersten Hauptmannes, Emil Liebscher, fertigten die Kameraden eine Krankentransportkarre für den Sanitätszug. Die Alarmierung der Wehr erfolgte durch Sturmleuten der Kirchenglocken und durch Hornsignale. Jedes Jahr fand eine Herbstinspektion statt, bei der sich die Bevölkerung vom Ausbildungsstand der Wehr überzeugen konnte. Auch dem geselligen Leben wurde große Bedeutung gewidmet. So fanden regelmäßig Kinderfeste und Stiftungsfeste statt. Man kann wohl sagen, dass der 8. Dezember 1923 ein bedeutungsvoller Tag für unseren Heimatort war.
Nachrichten zur Entwicklung der Wehr
von 1924 bis Mai 1945
Am 3. Januar 1924 beschlossen die Gemeindeverordneten die Reorganisation der Pflichtfeuerwehr. Alle Männer im Alter von 20 bis 40 Jahren mussten in die FFw eintreten. Die Mitgliedschaft in der Pflichtfeuerwehr blieb trotzdem bestehen. Wer befreit sein wollte, zahlte für das Jahr 1924 eine Gebühr von 10 RM. Laut Beschluss der Gemeindeverordneten vom 16. April mussten die Kameraden bei Nichterscheinen zu Übungen und Einsätzen der Pflichtfeuerwehr eine Strafgebühr von 1 RM zahlen. Am 2. Februar 1924 legte die FFw den Gemeindeverordneten ihr erstes Grundgesetz vor, welches ohne Gegenstimme beschlossen und am 3. Februar in Kraft trat.
Außerdem wurde Emil Liebscher als Feuerwehrhauptmann und Richard Nitsche als Stellvertreter der FFw einstimmig bestätigt. Zum Spritzenmeister der Pflichtfeuerwehr wurde Emil Hantsche einstimmig gewählt. Sein Vorgänger Hermann Paufler bekam für seine langjährige treue Tätigkeit eine Ehrenurkunde.

Die Freiwillige Feuerwehr führte am 30. März ihre erste Übung durch. Zwei Tage später fand die Übernahme beider Spritzen der Pflichtfeuerwehr durch die FFw statt.
Am 12. Mai 1924 rückte die Wehr zur Hilfe bei einem Brand in Bühlau aus. Die nach dem Einsatz aufgenommene Fotografie vor Rüdrich's Einkehrhaus ist vermutlich die erste unserer FFw.
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Das Bild zeigt, dass alle Kameraden, bis auf die Spritzenbesatzung, mit dem Fahrrad oder zu Fuß zum Einsatzort kommen mussten. Im Vordergrund sieht man die Signalgeber und man erkennt auch die Armbinden mit der Aufschrift "FFG". Von den abgebildeten 21 Kameraden sind namentlich bekannt der Spritzengespannführer Alfred Teich, die Signalisten Max Hartmann und Rudi Botta, die Kameraden Martin Paufler, Richard Zschiedrich, Bruno Großmann, Arthur Ufer, Walter Seifert, Albert Regel, Ernst Wolf, Kurt Botta, Richard Caspar, Alfred Richter, Richard Nitzsche und Paul Hille.
Im September 1924 wurde unsere FFw in den Landesverband sächsischer Feuerwehren aufgenommen. Die Zeitung "Der sächsische Erzähler" schrieb dazu:
"Großharthau, 8. September. Die Aufnahme - Prüfung unserer im Dezember 1923 gegründeten Freiw. Feuerwehr in den Landesverband sächsischer Feuerwehren wurde am Sonntag Nachmittag durch die zwei Kreisvertreter Herren Kammerrat Reiche aus Bautzen und Fischer aus Bischofswerda vorgenommen. Als Gäste waren erschienen der fast vollzählige Gemeinderat, an der Spitze Herr Bürgermeister Kurze, ferner Prinz Sizzo von Schwarzburg mit Familie, Herr Branddirektor Boden aus Bischofswerda, sowie eine Anzahl Feuerwehrmänner aus den Bezirkswehren. Kurz vor 2 Uhr nachmittags nahm die Übung mit Fußdienst unter Leitung ihres Hauptmanns Liebscher ihren Anfang, worauf die Spritzen- und Steigerübungen folgten. Mit einem Sturmangriff auf einen markierten Scheunenbrand wurde die Übung abgeschlossen. Die hierauf erfolgte Aussprache ergab eine all-gemeine Befriedigung. Führer wie Mannschaften boten ihr Bestes, so dass die Zensur "Sehr gut" in allen Ausführungen erteilt werden konnte. Die Wehr besteht gegenwärtig aus 52 aktiven Wehrleuten, wovon 48 zur Übung angetreten waren und gliedert sich in 4 Züge: zwei Spritzen-, ein Steiger- und ein Signalistenzug. Die Mannschaften nahmen sich in der neuen schmucken Uniform gut aus. Mit einer Ansprache beider Kreisvertreter an die Führer, Gemeinderat und Wehrmänner und mit Aushändigung der Aufnahme - Urkunde schloss diese, gut verlaufene Prüfungsübung. Ein flottes Tänzchen hielt die Kameraden mit ihren Gästen noch lange beisammen. Durch dieses Institut ist der Gemeinde ein großer Selbstschutz geschaffen, den in der Stunde der Gefahr die Einwohner erst schätzen lernen werden."

Das I. Stiftungsfest der FFw fand am 6. Dezember 1924 statt. Bei diesen Festen war die Kapelle unserer FFw ein wichtiger Bestandteil, denn meist war sie für die musikalische Umrahmung verantwortlich. Ende des Jahres 1924 gehörten der FFw 78 aktive und 26 passive Kameraden an.

In der Gemeindeverordnetensitzung vom 26. Februar 1925 gab der Bürgermeister die neue Feuerlöschordnung bekannt. Es wurde festgelegt, dass die Pflichtfeuerwehr nicht mehr ausgebildet wird, da die FFw jetzt vollzählig sei. Sie blieb aber erhalten und diente hauptsächlich zum Wach- und Absperrdienst. 1925 errichtete man die Steigerwand an der Schule. Sie diente gleichzeitig zum Trocknen der Schläuche. Am 16. Juli 1925 erfolgte die Festlegung neuer Gebühren für das Fahren der Spritzen mit Pferden durch die Gemeindeverordneten. Die Pferdehalter bekamen bei Erscheinen am Spritzenhaus 6 RM, bei Übungen 7,50 RM, für das Fahren der Spritze im Orte 12 RM, für längeres Ausbleiben 15 RM und für das Fahren der Spritze in andere Gemeinden 12 RM. Für Hilfeleistung in anderen Orten bekamen die ersten Wehren am Brandplatze zusätzlich eine Prämie von der Brandkasse. Im gleichen Jahr wurden für die FFw neue Joppen angeschafft. Zu einem Schadensfeuer in Frankenthal eilte unsere Wehr am 30. Juni 1925. Am 12. Juli nahm unsere Ortswehr zusammen mit den Wehren von Bretnig, Goldbach und Hauswalde an einer Übung im Rittergut in Frankenthal teil.

Im Jahre 1926 erfolgte die erste Gruppenaufnahme der Wehr. Das Bild entstand am Hintereingang der Schule. Auf dem Foto befinden sind die Kameraden Kurt Mutscher, Walter Liebscher, Arthur Ufer, Alfred Richter, Richard Voigt, Alfred Haschke, Albert Fritzsche, Max Hartmann, Emil Liebscher, Kurt Botta, Rudolf Botta, Willy Hillmann, Bruno Lehmann, Erich Schwabe, Arno Schneider, Gustav Dietze, Erich Venus, Walter Rötschke, Bruno Großmann, Alfred Gocht, Gustav Schwarzig, Arno Glausch, Walter Seifert, Walter Rüdrich, Paul Seidel, Martin Schwarze, Erwin Hillmann, Arthur Preusche, Alfred Rodig, Paul Schossig, Richard Caspar, Richard Nitzsche, Martin Paufler, Albert Regel, Josef Heide, Martin Thonig, Erich Caspar, Walter Richter, Erich Nütsche, Arthur Jäckel, Arno Gebauer, Hermann Winkler, Max Hensel, Richard Zschiedrich, Karl Hillmann, Arthur Teich, Arthur Hillmann und Georg Gnauck. Von zwei Kameraden ist der Name nicht bekannt.
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Im Juni 1926 stellte die Freiwillige Feuerwehr ein Gesuch zwecks Anschaffung einer Motorspritze an die Gemeinde. Der Wehr wurden ebenfalls im Juni für ihr tatkräftiges Vorgehen beim letzten Hochwasser 30 RM aus der Gemeindekasse bewilligt und für das Spritzenhaus wurden 700 RM zur Verfügung gestellt. Im Oktober beschlossen die Gemeindeverordneten, dass die Anschaffung einer Motorspritze bei besserer finanzieller Lage der Gemeinde erfolgen soll.
Am Sonntag, den 29. August, hielt die Freiwillige Feuerwehr Großharthau ihr diesjähriges Kinderfest im Einkehrhaus Rüdrich ab.
Am 16. September 1926 brannte der Pferdestall und Schuppen des Herrn Emil Klare, wohnhaft in Ortl. Nr. 84 - heute Straße der Einheit 51. Nur mit Mühe konnten die Pferde, die Schlitten, Sämaschinen, Ackergeräte und der Kutschwagen, der schon in Brand geraten war, gerettet werden. Den herbeigeeilten Feuerwehren von Frankenthal, Goldbach, Bischofswerda sowie der Ortsfeuerwehr war es zu verdanken, dass das Feuer durch ihr tatkräftiges Eingreifen nicht noch das Wohnhaus und Scheune mit einäscherte. Als Brandursache wurde Brandstiftung vermutet.
Am 28. Dezember 1926 fand die Hauptübung der FFw statt, bei der viele Einwohner anwesend waren.

Anfang 1927 wurde für die FFw 1 Vollmaske für 77,50 RM und 1 Laterne für 20 RM angeschafft.
Die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr fand am Sonnabend, den 22. Januar, abends 8 Uhr, in Zschiedrich's Restauration statt, wozu alle aktiven und passiven Kameraden herzlichst eingeladen waren.
Beim Eisfest im Februar 1927, veranstaltet von Günther zu Schwarzburg, auf dem Schlossteich spielte die Kapelle der Freiwilligen Feuerwehr zur Unterhaltung der vielen Gäste ein paar flotte Märsche. Nachstehendes Bild zeigt unsere Wehrkapelle bei einer fotografischen Aufnahme an der Schule. Auf dem Bild sind, von links beginnend, die Kameraden Bruno Großmann, Kurt Mutscher, Gustav Dietze, Arthur Preusche, Walter Rötschke, Musikmeister Rudolf Botta, Richard Zschiedrich, Richard Lehmann, Paul Schossig, Herbert Botta und Erich Schwabe.
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Am 5. Mai 1927 brannte, die erst im Jahre 1923 erbaute, massive Scheune des Wirtschaftsbesitzers Emil Klahre, Ortl. Nr. 84 bis auf die Umfassungsmauern nieder. Sämtliches Inventar und alle Geräte wurden ein Raub der Flammen. Erst im vergangenen Herbste brannten das Stallgebäude und der Schuppen nieder. Als Brandursache wurde böswillige Brandstiftung vermutet.
Bei einer Serie von Bränden in Frankenthal eilte unsere FFw mehrmals zur Hilfe. Als erste auswärtige Wehr am Brandplatze erhielt die Prämie der Brandkasse mehrmals die Großharthauer Wehr. Die Brandursache war fast immer Brandstiftung. Auch in unserem Ort brannte es 1927 mehrmals durch Brandstiftung. In der Regel wollte man durch die Brandstiftungen von der Brandversicherung Geld zum Neubau von Gebäuden bekommen.
Die Sächsische Brandversicherungsanstalt ließ am 14. Mai 1927 folgende Anzeige in der Zeitung "Der sächsische Erzähler" veröffentlichen:
"5000 RM Belohnung für die Ermittlung von Brandstiftern. Angesichts der in Großharthau und Frankenthal vorgekommenen Brandstiftungen weisen wir darauf hin, dass die Sächsische Brandversicherungsanstalt, die von ihr ausgesetzte Belohnung, für die Ermittlung von Brandstiftern bis zu 5000 Mark erhöht hat. Wer Angaben machen kann, die zur Ermittlung des Täters führen, wolle diese unverzüglich beim nächsten Gendarmerieposten oder der Kriminalabteilung in Bautzen machen. Vollste Verschwiegenheit über den Namen des Gewährsmannes wird auf Wunsch zugesichert. Die Belohnung der Brandversicherungsanstalt erhält der Betreffende dann durch die Vermittlung der Kriminalpolizei." Später wurde die Belohnung auf 10000 RM festgesetzt. Die Gemeindeverordneten beschlossen am 9. Juni 1927 erneut neue Gebühren für das Fahren der Spritze bei Feuergefahr. Diese wurden, wie folgt, festgelegt: bei Ausrücken 6 RM, im Brandfalle 9 RM, bei längerem Ausbleiben ohne Prämien 12 RM, mit 1. Prämie 20 RM und mit 2. Prämie 18 RM.
Im Oktober 1927 legte Hauptmann Liebscher sein Amt nieder und schied aus der Wehr aus. In der Generalversammlung am 15. November legte Kamerad Nitsche sein Amt als Stellvertreter ebenfalls nieder. Walter Grohmann wurde Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr und Max Hartmann sein Stellvertreter.

Anfang Mai 1928 rückte unsere Freiwillige Feuerwehr zu einem Brande in der Nähe des Bahnhofes aus. Gegenüber des Bahnhauses Ortl. Nr. 132, heute Ringstraße 20, brannte das Gras des Bahndammes. Das Feuer war durch Funkenflug aus einer Dampflokomotive entstanden. Es konnte schnell gelöscht werden und so ein Übergreifen auf den Masseneiwald verhindert werden. Durch aufkommenden Wind, wäre dies schnell möglich gewesen.
Im August 1928 bewilligten die Gemeindeverordneten den Kauf von 6 Metern gummierten Schlauch. Gleichzeitig wurde von Seiten der Gemeinde zugesichert, für die Schlauchreinigung jährlich 20 RM zur Verfügung zu stellen. Als Entschädigung für den am 08. September 1928 stattgefundenen Brand in Großharthau beschlossen die Gemeindeverordneten, dass die anwesenden Kameraden 70 Pfennige Entschädigung pro Stunde erhielten. Insgesamt wurden von den Kameraden 490,5 Stunden bei dem Brand geleistet. Weiterhin beschloss man, dass auswärtige Feuerwehren, die bei Bränden zur Hilfe kommen, ein Wegegeld von 5 RM erhalten. In den Gemeindeverordnetenversammlungen wurde immer wieder über die Anschaffung einer Motorspritze diskutiert. Um eine bessere und schnellere Brandbekämpfung zu erzielen, machte sich die Beschaffung einer Motorspritze unumgänglich. Man ließ Preisangebote bei den Firmen Schöne aus Hellerau, Flader aus Jähstädt, Fischer aus Görlitz und Müller aus Döbeln einholen.
Am 02. September 1928 fand ein Familienfest der Freiwilligen Feuerwehr statt. Folgendes Foto, aufgenommen bei Zschiedrich's entstand vielleicht dabei, denn nicht nur das Löschen des Feuers, sondern auch des Durstes, gehörten damals, wie auch heute, einfach dazu.
Am 5. Mai 1927 brannte, die erst im Jahre 1923 erbaute, massive Scheune des Wirtschaftsbesitzers Emil Klahre, Ortl. Nr. 84 bis auf die Umfassungsmauern nieder. Sämtliches Inventar und alle Geräte wurden ein Raub der Flammen. Erst im vergangenen Herbste brannten das Stallgebäude und der Schuppen nieder. Als Brandursache wurde böswillige Brandstiftung vermutet.
Bei einer Serie von Bränden in Frankenthal eilte unsere FFw mehrmals zur Hilfe. Als erste auswärtige Wehr am Brandplatze erhielt die Prämie der Brandkasse mehrmals die Großharthauer Wehr. Die Brandursache war fast immer Brandstiftung. Auch in unserem Ort brannte es 1927 mehrmals durch Brandstiftung. In der Regel wollte man durch die Brandstiftungen von der Brandversicherung Geld zum Neubau von Gebäuden bekommen.
Die Sächsische Brandversicherungsanstalt ließ am 14. Mai 1927 folgende Anzeige in der Zeitung "Der sächsische Erzähler" veröffentlichen:
"5000 RM Belohnung für die Ermittlung von Brandstiftern. Angesichts der in Großharthau und Frankenthal vorgekommenen Brandstiftungen weisen wir darauf hin, dass die Sächsische Brandversicherungsanstalt, die von ihr ausgesetzte Belohnung, für die Ermittlung von Brandstiftern bis zu 5000 Mark erhöht hat. Wer Angaben machen kann, die zur Ermittlung des Täters führen, wolle diese unverzüglich beim nächsten Gendarmerieposten oder der Kriminalabteilung in Bautzen machen. Vollste Verschwiegenheit über den Namen des Gewährsmannes wird auf Wunsch zugesichert. Die Belohnung der Brandversicherungsanstalt erhält der Betreffende dann durch die Vermittlung der Kriminalpolizei." Später wurde die Belohnung auf 10000 RM festgesetzt. Die Gemeindeverordneten beschlossen am 9. Juni 1927 erneut neue Gebühren für das Fahren der Spritze bei Feuergefahr. Diese wurden, wie folgt, festgelegt: bei Ausrücken 6 RM, im Brandfalle 9 RM, bei längerem Ausbleiben ohne Prämien 12 RM, mit 1. Prämie 20 RM und mit 2. Prämie 18 RM.
Im Oktober 1927 legte Hauptmann Liebscher sein Amt nieder und schied aus der Wehr aus. In der Generalversammlung am 15. November legte Kamerad Nitsche sein Amt als Stellvertreter ebenfalls nieder. Walter Grohmann wurde Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr und Max Hartmann sein Stellvertreter.

Anfang Mai 1928 rückte unsere Freiwillige Feuerwehr zu einem Brande in der Nähe des Bahnhofes aus. Gegenüber des Bahnhauses Ortl. Nr. 132, heute Ringstraße 20, brannte das Gras des Bahndammes. Das Feuer war durch Funkenflug aus einer Dampflokomotive entstanden. Es konnte schnell gelöscht werden und so ein Übergreifen auf den Masseneiwald verhindert werden. Durch aufkommenden Wind, wäre dies schnell möglich gewesen.
Im August 1928 bewilligten die Gemeindeverordneten den Kauf von 6 Metern gummierten Schlauch. Gleichzeitig wurde von Seiten der Gemeinde zugesichert, für die Schlauchreinigung jährlich 20 RM zur Verfügung zu stellen. Als Entschädigung für den am 08. September 1928 stattgefundenen Brand in Großharthau beschlossen die Gemeindeverordneten, dass die anwesenden Kameraden 70 Pfennige Entschädigung pro Stunde erhielten. Insgesamt wurden von den Kameraden 490,5 Stunden bei dem Brand geleistet. Weiterhin beschloss man, dass auswärtige Feuerwehren, die bei Bränden zur Hilfe kommen, ein Wegegeld von 5 RM erhalten. In den Gemeindeverordnetenversammlungen wurde immer wieder über die Anschaffung einer Motorspritze diskutiert. Um eine bessere und schnellere Brandbekämpfung zu erzielen, machte sich die Beschaffung einer Motorspritze unumgänglich. Man liess Preisangebote bei den Firmen Schöne aus Hellerau, Flader aus Jähstädt, Fischer aus Görlitz und Müller aus Döbeln einholen.
Am 02. September 1928 fand ein Familienfest der Freiwilligen Feuerwehr statt. Folgendes Foto, aufgenommen bei Zschiedrich's entstand vielleicht dabei, denn nicht nur das Löschen des Feuers, sondern auch des Durstes, gehörten damals, wie auch heute, einfach dazu. Auf nachfolgenden Bild löschen die Kameraden Richard Zschiedrich, Emil Liebscher und Max Fasold ihren Durst.
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Am 24. November 1928 trafen sich die Kameraden unserer Wehr auf dem Schulhof, um an einer Erläuterung und Vorführung einer Motorspritze teilzunehmen. Das Spritzenhaus wurde Ende des Jahres, nachdem man sich mit den angrenzenden Grundstücksbesitzern geeinigt hatte, durch einen Anbau vergrößert.
Am 1. Dezember beging unsere FFw ihr 5jähriges Bestehen. "Der sächsische Erzähler" schrieb dazu im Beiblatt der Nr. 282 folgendes:
"Feuerwehr Rundschau
Die Freiw. Feuerwehr Großharthau beging am Sonnabend im Gasthof z. Kyffhäuser die Feier ihres 5jährigen Bestehens, wozu auch außer der Wehr und ihren Angehörigen auch viele Kameraden der Nachbarwehren, die Gemeindevertretung mit Herrn 2. Bürgermeister Haufe, der Schulausschuss nebst anderen Ehrengästen eingefunden hatten. Unter der sicheren Leitung ihres Dirigenten, Herrn Rud. Botta, eröffnete die Kapelle der Wehr gegen 8 Uhr den Kommers mit einigen recht flott gespielten Märschen. An der mit Fichtengrün geschmückten Bühne prangten auf einem Transparent die Wahrzeichen mit der Inschrift "Gut Wehr zum 5jährigen Bestehen", worauf zuerst ein mit klarer Stimme vorgetragener Prolog von Frl. Petzold, der die großen Aufgaben der Wehr aufs trefflichste hervorhob, folgte. Herr stellv. Hauptmann Hartmann begrüßte hierauf alle Anwesenden im Namen der Wehr, und gab der Eröffnung Ausdruck, dass der heutige Abend allen frohe Stunden bringen möge. Nach einem Musikstück folgte die gutdurchdachte Festrede des Herrn 2. Bürgermeisters Haufe, in der dieser u.a. ausführte: Der heutige Abend, an dem wir uns zur Feier des 5jährigen Bestehens zusammengefunden haben, bedeutet zugleich einen Markstein in der Geschichte des Feuerlöschwesens unserer Gemeinde, so dass sich ein kleiner Rückblick auf den verflossenen Zeitraum lohnt. Am 8. Dezember 1923 hatten sich in Zschiedrich's Gasthof über 30 wackere Männer unserer Gemeinde eingefunden, wo selbst durch die Herren Branddirektoren Fischer aus Bischofswerda und Haufe aus Frankenthal Zweck und Ziel einer Freiw. Feuerwehr erläutert wurden und man sodann zur Gründung einer solchen schritt. Dieser Tag bedeutet also einen Wendepunkt innerhalb unseres Feuerlöschwesens, versah doch bis zu diesem Tage die Pflichtfeuerwehr allein den Löschdienst. Im Juli 1924 erfolgte die Einkleidung der Wehr in Stärke von 50 Mann, und wurde diese am 7. September 1924 nach sehr gut bestandener Prüfung in den Landesverband Sächsischer Feuerwehren aufgenommen. 29 Gründer gehören heute noch der Wehr aktiv an; ein reiche Tätigkeit hat sie in diesen 5 Jahren entfaltet, und zwar fanden statt: 70 Übungen, 2 Sturmangriffe, 4 Übungsmärsche, 5 Alarmübungen, 3 Hauptübungen, 2 Hochwasseralarme, 1 Inspektion, 25 Versammlungen und 61 Führersitzungen. Bei 21 Schadenfeuern in der Gemeinde und deren Umgebung entfaltete sie regste Tätigkeit. Außerdem besitzt die Wehr ein gutgeschultes Musikkorps, das sich gern und freudig in den Dienst der Gemeinde und der Ortsvereine stellte. Wir sind stolz auf unsere Wehr und unser Löschwesen, das auf der Höhe steht dank der Hingabe von Führern und Mannschaften. Möge denn das bisherige gute Zusammenarbeiten zwischen Wehr und Gemeinde auch in Zukunft bestehen bleiben. Gut Wehr! - Unter starkem Beifall führte sodann Herr 2. Branddirektor Haufe weiter aus: Es gereicht mir zur ganz besonderen Freude, im Namen der Gemeindevertretung die herzlichsten Glück- und Segenswünsche auszusprechen und zugleich folgende Kameraden für 5jährige treue Dienste mit Silberlitzen auszuzeichnen: Hauptmann z.D. Walter Grohmann, stellvertretender Hauptmann Max Hartmann, Feldwebel Kurt Botta; die Spritzenzugsführer Paul Seidel und Albert Fritzsche, Obersteiger Alfred Richter, Rottenführer Hermann Winkler, Musikleiter Rudolf Botta, Hornist Walter Gocht, die Samariter Martin Schelzel und Georg Gnauck, die Spritzenmänner Bruno Großmann und Richard Kettner, Steiger Arthur Ufer, Musiker Richard Lehmann, Spritzenmann Alfred Rodig, Zeugmeister Bruno Lehmann, Steiger Alfred Gocht, Musiker Kurt Eutscher, Samariter Albert Richter, Musiker Paul Schossig; die Spritzenmänner Richard Zschiedrich, Walter Rüdrich und Erwin Hillmann, Rottenführer Albert Regel, Steiger Richard Voigt und Arthur Jäckel, Musiker Arthur Hillmann und Steiger Erich Venus. Das schlichte Ehrenzeichen, das so recht die Arbeit und Treue im Dienste der Gemeinde verkörpert, möge den jüngeren Kameraden immer ein Ansporn zur Nacheiferung sein! Gut Wehr! - Herr stellvertr. Hauptmann Hartmann dankte hierauf im Namen der Ausgezeichneten und versprach zugleich, sich auch fernerhin in den Dienst der Allgemeinheit mit gleicher Hingabe und Treue zu stellen, worauf ein mit viel Beifall aufgenommenes Potpourri der Kapelle folgte. Nunmehr folgte unter Verwendung zweckentsprechender Dekorationen ein von Angehörigen der Wehr recht flott und sicher gespielter Einakter aus dem Feuerwehrleben, betitelt "Die Krone des Hauses", der ob seiner urkomischen Verwechslungen starken Beifall auslöste. Ein Schlussmarsch leitete zum Festball über, dem man sich noch lange in angeregter kameradschaftlicher Stimmung hingab."

Im Februar 1929 wurden Max Hartmann als Hauptmann und Albert Fritsche als dessen Stellvertreter bestätigt. Um das Bekleben des Spritzenhauses zu unterbinden, brachte man zu Anfang des Jahres eine kleine Anschlagtafel an. Im April wurden 200 Meter Schlauch für die beiden Handdruckspritzen gekauft. Am 20. Oktober 1929 fand die Hauptübung der Wehr statt. Die Gemeindeverordneten bewilligten dazu ein Fass Bier. Zum Ende des Jahres 1929 bekamen alle aktiven Kameraden für ihre geleistete Arbeit eine einmalige Zahlung von 1 RM aus der Gemeindekasse.

Das Jahr 1930 begann für unsere Wehr mit einem Einsatz am 17. Januar in Frankenthal. In Großharthau war 9 Tage später, am 26. Januar, ein Großbrand im Rittergut. Dabei brannten die Stallgebäude im Westflügel völlig aus. Die Presse schrieb dazu:
"Großfeuer im Rittergut Großharthau
Großharthau, 27. Januar. Am Sonntagvormittag gegen 10 Uhr brach auf den Heu- und Futterböden des etwa 80 Meter langen und 25 Meter tiefen einstöckigen und mit Dachausbauten versehenen Stall- und Seitengebäudes Schadenfeuer aus, das sich infolge der großen Mengen aufgestapelter, leicht brennbarer Materialien und infolge des heftigen Windes mit rasender Geschwindigkeit ausbreitete. Während das Rittergutspersonal in größter Eile mit Unterstützung von Nachbarn das Großvieh aus den Ställen trieb, stand bereits das Dach des massiven Grundstückes in hellen Flammen. Eine ungeheure Rauchwolke stieg zwischen dem Schloß des Fürsten und dem Hauptwirtschaftsgebäude empor, weithin den Großbrand verkündend. Alle Feuerwehren der Umgebung wurden alarmiert und rückten zur Bekämpfung aus. In kurzem waren 11 Spritzen, darunter die Motorspritzen von Rammenau und Bischofswerda erschienen, ferner Goldbach (1. Prämie), Bühlau (2. Prämie), Frankenthal, Schmiedefeld, Seeligstadt, Groß- und Kleindrebnitz, Weickersdorf und die Landspritze von Bischofswerda. Es wurde eine große Anzahl Schlauchleitungen in Betrieb gesetzt und das dazu benötigte Wasser aus der unmittelbar vorüberfließenden Gruna, den Schloß- und Rittergutsteichen und aus der Wesenitz entnommen. Die Teiche waren sämtlich zugefroren und mussten erst aufgebrochen werden. Nach harter Arbeit der Feuerwehren gelang es den Brand zu lokalisieren. Das von den Flammen ergriffene Stall- und Seitengebäude brannte bis auf das Stallgewölbe vollständig nieder. Letzteres brach verschiedentlich durch. Der Rammenauer Motorspritze, die sehr schnell zur Stelle war, ist es durch ihr wirkungsvolles Eingreifen zu danken, dass das Feuer nicht auf die ehemalige Schlossküche übergriff, die von zwei Familien bewohnt wird, wovon eine bereits geräumt hatte. Das Wohngebäude des Pächters Müller war auch stark gefährdet, da das Dach bereits angeglimmt war. Die Gefahr wurde durch die Löscharbeiten beseitigt. Die Motorspritzen von Seeligstadt und Bischofswerda brauchten nicht mehr in Tätigkeit zu treten. Während der Nacht zum Montag übernahm die Ortswehr die übliche Brandwache und löschte die verschiedentlich immer erneut aufflackernden kleineren Brandherde ab. Nach den bisherigen Feststellungen dürfte weder fahrlässig noch böswillige Brandstiftung als Ursache zu bezeichnen sein. Die Untersuchungen sind noch im Gange. Es ist ein Gesamtschaden von etwa 50000 M (30000 M Gebäude- und 20000 M Futtervorräteschaden) entstanden. Als ein Glück konnte es bezeichnet werden, dass der Wind die Flammen und Rauchwolken zunächst direkt auf den großen Hof trieb, was die Löscharbeiten erheblich begünstigte, soweit die angebauten übrigen Gebäudeteile gefährdet erschienen. Würde der Brand etwa zur Nachtzeit zum Ausbruch gekommen sein und der Wind die Flammen nach dem nahegelegenen Schlosse zu, oder auf das angebaute Hauptwirtschaftsgebäude getrieben haben, dann hätte das Feuer einen weit größeren Umfang annehmen können. Das zahlreiche Großvieh konnte in den Scheunen und anderen Gutsgebäuden vorläufig untergebracht werden. Personen sind während der umfangreichen Rettungs- und vielstündigen Löscharbeiten, an denen sich auch der Fürst mit beteiligte, nicht verletzt worden. Die Brandstelle wurde im Laufe des Sonntages von einer zahlreichen Menschenmenge aufgesucht. Auch die vielen, jene verkehrsreiche Staatsstraße befahrenden Autos stoppten fast sämtlich ab, deren Insassen den Großbrand in Augenschein nahmen."
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Vielleicht war dieser Brand die Hauptursache dafür, dass man sich von Seiten der Gemeinde nun wieder intensiver mit der Beschaffung einer Motorspritze beschäftigte. Im Mai 1930 erläuterte ein Vertreter der Firma Flader aus Jähstädt den Gemeindeverordneten die Arbeitsweise einer Zweitaktmotorspritze. Hierauf stimmte man über das System ab. Mit 10 gegen 4 Stimmen entschied man sich für eine Viertaktmotorspritze. Weiterhin stimmten die Verordneten mit 8 gegen 7 Stimmen, dass diese Spritze von der Firma Schöne aus Hellerau gekauft wird. Durch ein nochmaliges Preisangebot der Firma Flader kam es in der Sitzung vom 3. Juni nach harten Debatten zur erneuten Abstimmung. Mit 8 gegen 4 Stimmen und einer Stimmenthaltung ging der Zuschlag erneut an die Firma Schöne. Am 17. Juni 1930 war es endlich so weit. Herr Bürgermeister Ernst Haufe gab in der Gemeindeverordnetensitzung bekannt, dass er der Firma Schöne in Hellerau den Auftrag zur Lieferung der Motorspritze erteilt hat. Gleichzeitig bekam die selbe Firma den Auftrag zur Lieferung des Spritzentransportwagens für Pferdezug. Die Firma Flader bekam den Auftrag zur Lieferung von 300 Metern Schlauch der Qualität D III und die Firma Friedemann & Söhne zur Lieferung von 100 Metern Schlauch der Marke "Grüne Schlange". Die neue Motorspritze und der Transportwagen kamen mit der Eisenbahn am 4. Juli in Großharthau an und wurden am 5. Juli vom Bahnhof abgeholt.

Über dieses, für unsere Freiwillige Feuerwehr wichtige Ereignis, schrieb man in der Ausgabe
Nr. 155 der Zeitung "Der sächsische Erzähler" am 6. Juli 1930 folgendes:
"Feuerwehr - Rundschau
Großharthau. Gestern erfolgte die Abnahme der neuen, von der bekannten Firma Curt Schöne aus Dresden-Hellerau gelieferten, Motorspritze "Nixe" durch den Herrn Kreisvertreter Ernst Fischer aus Bischofswerda. Kurz vor 6 Uhr abends versammelte sich die Wehr mit ihrer 14 Mann starken Kapelle in Rüdrich´s Restauration. Von hier aus erfolgte der Abmarsch nach dem Bahnhofe, wo tags zuvor schon das neue Feuerlöschgerät eingetroffen war. Gegen 1/2 7 Uhr traf das schmucke, mit Eichenlaub-Girlanden festlich geschmückte Gerät auf dem an der Wesenitz gelegenen Wiesenplane hinter der Schlossmühle ein, begleitet von der Wehr, der Pflichtfeuerwehr, zahlreichen Einwohnern und den Herren Gemeindeverordneten mit Herrn Bürgermeister Haufe an der Spitze. Herr Spritzenfabrikant Schöne übergab an Hand eines Verzeichnisses zunächst sämtliche Gegenstände dem Herrn Bürgermeister Haufe. Nach erfolgter Abnahme der vom Landesverband Sächsischer Feuerwehren vorgeschriebenen Maße usw. durch den Kreisvertreter wurde der Motor angeworfen und kurz darauf stieg zum ersten Male die gewaltige Wassersäule auf etwa 32 Meter Höhe. Die eingehende und genaue Prüfung erstreckte sich sodann auf sämtliche Teile des Gerätes. Zuerst zeigte dieses bei einem 18 Millimeter Mundstück in flachem Strahle eine Reichweite von 47 Metern, hierauf wurde mit zwei 13 Millimeter weiten Mundstücken der Strahl 41 Meter weit geschleudert, worauf später drei Leitungen gleicher Größe eingeschaltet wurden, die bis weit über die höchsten Parkbäume reichten; mit ihnen wurde dann eine sogenannte Wasserscheide von verblüffender Wirkung gebildet. Ihre volle Leistung wurde mit einem 21 Millimeter Mundstück bei 45 Meter Reichweite erzielt. Diese Maschine wird auf einem vierrädrigen Wagen mit Pferdebespannung, auf dem 6 Mann Platz finden, transportiert. Das ganze Fahrzeug ist verhältnismäßig leicht, aber doch stabil gebaut, besitzt 3 große Schlauchhaspen, Werkzeugkasten und bietet außerdem Platz zur Aufnahme der verschiedenen Geräte. Die Maschine ist hinten aufgebaut und kann während der Anfahrt zur Brandstelle schon in Betrieb gesetzt werden. Auf diese Anordnung besitzt die Firma Schöne einen Musterschutz. Es ist insbesondere vorteilhaft im Winter, da die Maschine schon angewärmt an der Brandstelle ankommt und deshalb keine Verzögerungen beim Wassergeben eintreten können. Die Maschine kann vom Wagen aus arbeiten, aber auch, wenn es notwendig ist, abgehoben und an die Wasserstelle getragen werden. Zweifellos handelt es sich bei Wagen und Maschine um ein wohl zur Zeit modernstes Feuerlöschgerät. Während die wackere Kapelle konzertierte, hielt nun die Wehr weitere Übungen ab. Nach Beendigung derselben nahm Herr Kreisvertreter Fischer das Wort und teilte mit, dass nach erfolgter Prüfung die neue Motorspritze allen Anforderungen entsprochen habe und deshalb in der Stunde der Gefahr einen wirksamen Feuerschutz darstelle. Herr Bürgermeister Haufe führte in seiner Ansprache u.a. aus, dass sich das Bedürfnis nach einer Motorspritze geltend machte, nachdem bei den letzten größeren Bränden die Hinzuziehung auswärtiger Motorspritzen nötig wurde. Sein Dank galt den Herren der Gemeindevertretung für die Bewilligung der Mittel zu dem neuen Feuerlöschgerät. Herr Hauptmann Hartmann versprach im Namen seiner Wehr, die Spritze in treue Obhut und Pflege nehmen zu wollen. Alsdann wurde dieselbe unter den Klängen der Kapelle nach ihrem Standort gebracht, während die Wehr und die Gemeindevertretung nebst den übrigen Gästen sich nach dem "Kyffhäusersaale" zu einem kameradschaftlichen Beisammensein begaben."

Durch die Gemeinde bekam die Feuerwehr die Berechtigung in allen Brandfällen in den Gemeinden Frankenthal, Bühlau und Schmiedefeld mit der Motorspritze auszurücken. Ansonsten soll die Motorspritze nur bei Großfeuern oder mit besonderem Auftrag nach auswärts ausrücken. Versichert wurden die Motorspritze und die anderen Gerätschaften der FFw zusammen mit dem Inventar der Schule und dem Leichenwagen der Gemeinde beim Sächsischen Gemeindeversicherungsverband. Unsere Wehr besaß nun zwei Handdruckspritzen und eine Motorspritze für Pferdezug. Die damaligen Spritzenfahrer waren Alfred Hockert, Alfred Teich und Albin Haufe. Der erste auswärtige Einsatz mit der Motorspritze war am 1. September 1930 in Frankenthal. Bei dem Brand des Gutsbesitzers Ullmann war die Wehr als erste am Brandplatze erschienen und bekam dafür die erste Prämie.

Im Mai 1931 wurden 10 Schilder mit der Aufschrift "Feuermelder" zum Stückpreis von 1,60 RM vom Klempnermeister Kurt Schürer gekauft. Im August 1931 half unsere Wehr erneut in Frankenthal. Es brannte das strohgedeckte Anwesen der Witwe Auguste Steglich in hellen Flammen.

Zur Hauptübung im September 1931 schrieb man:
"Feuerwehr - Rundschau. Großharthau, 28. Sept. Mit ihrer Hauptübung am Sonntag nach Mittag gab die Freiwillige Feuerwehr einen recht guten Überblick über die erfolgreich geleistete Arbeit in diesem Jahre. Ihr reges Interesse am Feuerlöschwesen bekundeten deshalb neben der Einwohnerschaft auch die Herren Gemeindeverordneten und Mitglieder des Schulausschusses mit Herrn Bürgermeister u. Branddirektor Haufe an der Spitze durch Anwesenheit bei der Hauptübung, die bei günstigen Wetter nachmittags 1/2 2 Uhr auf dem Schulhofe mit der Ausstellung der 51 Mann starken Wehr unter dem Komando des Herrn Hauptmann M. Hartmann ihren Anfang nahm. Nach einem schneidig durchgeführten Fußdienst folgten auf dem Schulhofe die Übungen des 1. Spritzenzuges an der Handdruckspritze, dem sich Schulübungen an der Motorspritze anschlossen. Diese waren recht interessant, der Motor war im Nu in Tätigkeit. Mit Übungen an der mechanischen Schiebeleiter und den Hakenleitern am Steigerhause waren kurz nach 1/2 3 Uhr die Schulübungen beendet. 2.57 Uhr ertönte das Alarmsignal zum Sturmangriff auf das mit einer roten Flagge gekennzeichnete Brandobjekt, die Scheune des Herrn Gutsbesitzers Max Kurze, und wurde der Brand nach folgendem Plane bekämpft: "Ein Blitzschlag in den südlichen Giebel genannter Scheune hat gezündet; der Giebel steht beim Eintreffen der Wehr in Flammen. Gefährlicher Wind erfordert den Einsatz aller Kräfte, um ein Übergreifen des Brandes auf die nebenliegenden Gebäude zu verhindern." - 2 Minuten nach dem ersten Alarmsignal trafen bereits die ersten Geräte am angenommenen Brandplatze ein und nahmen fachkundige Aufstellung, während 3.02 Uhr fast gleichzeitig die Motor- und Handspritze das erste Wasser aus mehreren Leitungen zur Bekämpfung und Abdeckung abgaben. Die schon wiederholt gerügte Verunreinigung des Grunabaches zeigte sich dabei durch einen intensiv blauen Wasserstrahl, herrührend von einem eingeworfenen Farbenpaket! Für den Fischbestand dürfte dies wenig zuträglich sein. Nach Abschluss der Übung wurden unter Vorantritt der Kapelle die Geräte wieder ins Depot gebracht, und die Wehr begab sich geschlossen in den "Kyffhäuser" - Gasthof um das Resultat der Kritik zu vernehmen. Nach Begrüßungsworten des Wehrführers nahm Herr Branddirektor Bürgermeister Haufe Veranlassung zu betonen, dass die Übung gezeigt habe, dass ich die Wehr auf der Höhe befindet und einen wirksamen Feuerschutz der Gemeinde darstelle. Er brachte dafür den Dank im Namen seiner Gemeinde zum Ausdruck und hob damit gleichzeitig das bestehende gute Einvernehmen zwischen Wehr und Gemeinde hervor mit dem Wunsche, dass dies auch in Zukunft so weiter bestehen möge. Ihm dankte Herr Hauptmann Hartmann im Namen seiner Wehr für die anerkennenden Worte mit der Versicherung, dass diese auch fernerhin zum Wohle der Gemeinde und der Allgemeinheit so weiter zu arbeiten eifrig bestrebt sein werde."

Im Jahre 1932 stimmten die Gemeindeverordneten dem Kauf von 6 neuen Feuerwehrhelmen zu. Die stattfindenden Sommer- und Kinderfeste, veranstaltet von der FFw, begannen meist mit einem Umzug durch das Dorf. Der Treffpunkt der Teilnehmer war bei Zschiedrich's. Voran des Zuges schritt die Kapelle der Feuerwehr vielen Kinder, denn sie konnten es kaum erwarten, dass sich der Festzug in Bewegung setzte. Schließlich wollten sie so schnell wie möglich auf die Festwiese bei Rüdrich's Restauration. Dort angekommen, ergriffen die Kinder schnell Besitz von dem Karussell und den anderen Kinderbelustigungen.
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Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 in Deutschland ging auch an den Feuerwehren nicht vorbei. Es begann mit der baldigen Einführung des "Hitler-Grußes". Die Wehrleiter und dessen Stellvertreter nannten sich Wehrführer und Unterführer, diese wurden nicht mehr gewählt, sondern eingesetzt. Es folgte eine Vielzahl von Gesetzen und Verordnungen, die das Feuerlöschwesen betrafen. So durften nur noch Personen, die geistig und körperlich gesund und arischer Abstammung waren, in die Feuerwehren eintreten.
In Vorbereitung auf den 58. Verbandstag des Bezirksfeuerwehrverbandes 1933 in unserem Ort stellte die Gemeinde Farbe zum Streichen beider Handdruckspritzen zur Verfügung, denn man wollte sich zum bevorstehenden Verbandstag bestens präsentieren. Zur Erinnerung an den Verbandstag ließ man im Vorfeld 3000 Abzeichen, zum Einzelpreis von 6 ¾ Pfennig, bei der Firma Bruno Winkler aus Zittau anfertigen.
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Auch die Tanzgaststätten "Zur Erholung" und "Kyffhäuser" wiesen mit Anzeigen in der Tageszeitung auf dieses Großereignis hin.
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Die Tageszeitung "Der sächsische Erzähler" schrieb über dieses Ereignis folgendes:
"58. Verbandstag des Bezirksfeuerwehrverbandes am 24. und 25. Juni in Großharthau.
Großharthau, 26. Juni. Ungeachtet des Regenwetters hatten sich am Sonnabend in unserem festlich mit Ehrenpforten, Fahnen, Girlanden usw. geschmückten Orte 86 von 91 stimmberechtigten Vertretern, 8 Vorstandsmitglieder sowie 14 Ehren- und geladene Gäste zur Abgeordneten-Sitzung im Saale der "Erholung" eingefunden, von der Ortswehr am Bahnhof mit klingendem Spiel empfangen. Vom 1. Bezirk Bischofswerda waren sämtliche Wehren anwesend, vom 2. Bezirk fehlten unentschuldigt Pielitz, vom 3. Schmochtitz sowie unentschuldigt Cölln. Nach vorausgegangener Vorstandssitzung und zwei flott gespielten Begrüßungsmärchen der Großharthauer Feuerwehrkapelle unter ihrem Leiter Herrn Rudolf Botta wurde 4.10 Uhr nachmittags die Verbandstagung vom 1. Vorsitzenden Kreisvertreter Fischer, Bischofswerda, mit begrüssenden Worten eröffnet, besonders gerichtet an die Herren Amtshauptmann Dr. Sievert, Bautzen, Stadtrat Linke, Bischofswerda, Dezernent des städt. Feuerlöschwesens, Stadtrat Klein, Bischofs-werda in Fa. Buschbeck & Hebenstreit, Bürgermeister Haufe, Großharthau, Bürgermeister Haufe, Frankenthal, den 1. Vorsitzenden des Oberlausitzer Gebirgsgau-Verbandes, Branddirektor Hohlfeld, Beiersdorf, und den Ehrenausschuß. Nach einem Gelöbnis, sich fest hinter die neue Regierung zu stellen, wie ja die Feuerwehren schon von früher der stets national eingestellt gewesen seien. Für segensreiche tatkräftige Mitarbeit überreichte er den Vorstandsmitgliedern Lutius, Kleinförstchen, und Weineck, Demitz-Thumitz, eine Blumenspende. Das Andenken des verstorbenen stellvertr. Kreisvertreters Zeißig, Stolpen, wurde durch Erheben von den Plätzen geehrt. Herr Amtshauptmann Dr. Sievert dankte für die freundliche Begrüßung und Einladung, der er gern gefolgt sei. Im Namen der Amtshauptmannschaft Bautzen sprach er den Wehren und ihren Führern Dank und Anerkennung für ihr gemeinnütziges Wirken im Dienste der Allgemeinheit aus. Die angeordnete Gleichschaltung sei diesen nicht schwer gefallen, da ja die Wehren von jeher im Geiste der Volksgemeinschaft wirkten. Sein dreifaches "Siegheil!" galt dem Reichskanzler Adolf Hitler, dem Reichspräsidenten v. Hindenburg, Reichsstatthalter Mutschmann und Ministerpräsident v. Killinger. Beste Grüße und Wünsche für einen recht guten Verlauf der Tagung entboten die Herren Bürgermeister Haufe im Namen der Gemeinde Großharthau, Branddirektor Hohlfeld, Beiersdorf, im Namen des Gebirgsgau-Verbandes und Hauptmann Hartmann im Namen der Freiw. Feuerwehr Großharthau. Nach Bekanntgabe der ministeriellen Bestimmungen über die Gleichschaltung wurde darauf hingewiesen, dass politische Abzeichen nicht getragen werden dürfen und der Gruß militärisch bleibt. Im Jahresbericht 1932/33 berichtete der Vorsitzende ausführlich über die geleistete Arbeit. Der Verband zählt 77 Wehren mit 2972 Mann, davon 149 Samariter. In 30 Orten waren die Wehren bei 100 Bränden tätig, insgesamt 228 mal. Im Kreis und in der Amtshauptmannschaft Bautzen und Kamenz konnten insgesamt 296 Kameraden für 10-, 20-, 25-, 40- und 50jährige treue Dienstzeit ausgezeichnet werden. Eine Anzahl Wehren beging ihr 10-, 25- und 40jähriges Bestehen, 15 Wehren erhielten bei der Prüfung die Zensur "Gut" zuerkannt. Der Bericht des Kassierers Lucius verzeichnet an Einnahme 3057,22 Mark, an Ausgabe 2710,76 Mark und schließt mit einem Bestande von 346,46 Mark ab. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Weineck, Demitz-Thumitz, Görling, Bautzen, und Lindner, Purschwitz, wurden einstimmig wiedergewählt. Der Verbandstag 1934 findet in Radibor statt. Über die Sterbekasse berichtete Kamerad Eckhardt, Bautzen. Ihr Mitgliederbestand beträgt 3950. Im Vorjahre gelangten 25, in diesem Jahre bereits 17 Sterbefälle zur Auszahlung. Die am 1.8.1927 gegründete Sterbekasse hat sich als sehr segenreich erwiesen und ist deshalb der Beitritt nur zu empfehlen. Kamerad Josef Scholz, Rammenau, hatte im Saale eine große Auswahl Feuerwehr-Utensilien ausgestellt. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes wurde gegen 6 Uhr die Tagung geschlossen. Abends 1/4 9 Uhr fand im überfüllten Kyffhäusersaale ein Begrüßungsabend unter der Leitung des Herrn Kaufmann, Großharthau, statt. Im Namen der Wehr begrüßte die Teilnehmer Herr Hauptmann Hartmann mit herzlichen Worten, worauf die Kapelle der Freiw. Feuerwehr Großharthau unter ihrem Leiter, Herrn Rudolf Botta, in meisterhafter Weise den "Alten Kameraden - Marsch" zum Vortrag brachte und Fräulein Erna Rötschke in einem Vorspruch in beredten Worten die segensreiche Tätigkeit der wackeren Feuerwehrleute pries. Die beiden Männergesangsvereine Rau & Vogel und "Concordia" unter ihren Dirigenten Kantor Zentsch und Oberlehrer Wolf boten die Männerchöre "Gott grüße Dich!" und "Nur die Hoffnung festgehalten". Herr Bürgermeister Haufe entbot die Grüße seiner Gemeinde und wies darauf hin, dass die Gemeinde mit berechtigtem Stolz auf ihre seit fast 10 Jahren bestehende Freiw. Feuerwehr blicken könne, welche sich jederzeit in der Stunde der Gefahr bereit stelle, des Nächsten Hab und Gut zu schützen, und Leben und Gesundheit aufs Spiel setze. Herr Kreisvertreter Fischer übermittelte Grüße im Namen des Bezirksverbandes und dankte der Einwohnerschaft für die gastliche Aufnahme der auswärtigen Wehrleute mit einem dreifachen "Gut Wehr!" Herr Pfarrer Horn dankte im Namen des Kirchenvorstandes für die freundliche Einladung und skizzierte die Grundlage und das Ziel des Feuerwehrverbandes in die drei schönen Worte: Opferwilligkeit, Freiwilligkeit und Nächstenliebe. Insbesondere aber gelte auch für die Feuerwehren das in der letzten Zeit geprägte feine Wort: "Gemeinnutz geht vor Eigennutz!" Sein dreifaches "Gut Wehr!" galt dem weiteren Blühen, Wachsen und Gedeihen des Feuerwehrverbandes. Die weitere musikalische, gesangliche und turnerische Ausgestaltung des Abends hatten in bestbekannter Weise die Wehrkapelle, die beiden Gesangsvereine, der Gemischte Chor und die Turnerinnen und Turner des DT-Turnvereins übernommen, welche wohlgelungene und recht beifällig aufgenommene Freiübungen, Stabübungen und Darbietungen am Hochreck vorführten. In einem Schwank mit Gesang "Pauken-Nauke vor Gericht" von Wehrmitgliedern, kam auch der gesunde Humor zu seinem Recht, und zum Schluss dankte Herr Kaufmann allen Mitwirkenden recht herzlich für ihre ausgezeichneten Darbietungen, welche bei den Festgästen den allerbesten Eindruck hinterließen und die rechte kameradschaftliche Stimmung schufen, die bis zum Schluss gegen Mitternacht anhielt. Der Sonntagmorgen wurde mit einem Weckruf eingeleitet. Der Wettergott machte dazu ein recht trübes Gesicht, und so mancher bange Blick ging, wie die Woche zuvor, zum Himmel empor, ob er denn nicht endlich ein Einsehen haben werde. In den Vormittagsstunden hellte es sich glücklicherweise etwas auf, und allenthalben wurden die letzten schmückenden Vorbereitungen, die bisher wegen des Regens unterblieben, getroffen, Stände usw. wurden gezimmert, da man zu hoffen wagte, dass das Fest auch geschäftlicher Beziehung einen kleinen Nutzen bringen würde. Die ersten auswärtigen und stark besetzten Lastautos trafen währenddessen am "Kyffhäuser" ein. Kurz vor 9 Uhr nahmen die Wehr und viele Kameraden und Einwohner vor dem Ehrenmale Aufstellung. Hierauf legte Herr Hauptmann Hartmann mit kurzen Worten einen prächtigen Kranz mit Widmungsschleife am Ehrenmale nieder. In seiner Ansprache gedachte Herr Pfarrer Horn mit besonderem Dank der Feier, dass die Wehr auch den heutigen Tag nicht vorübergehen lässt, um derjenigen Kameraden in Treue zu gedenken, welche für Heimat, Volk und Vaterland ihr Leben ließen. Nach einer Minute stillen Gedenkens spielte die Kapelle "Wie sie so sanft ruhn" und "Ich hat' einen Kameraden", womit die schlichte, aber eindrucksvolle Feier beendet war. Ein schönes Bild bot sich am "Kyffhäuser", woselbst von 9-10 Uhr der Empfang der Bruderwehren mit klingendem Spiel und Begrüßung durch die festgebende Wehr stattfand. Von beiden Richtungen her rückten die Wehren mit ihren Kapellen zum größten Teil in beträchtlicher Stärke an, so das bald überall ein recht fröhliches und kameradschaftliches Leben und Treiben herrschte. Nach dem Empfang begab sich die Freiw. Feuerwehr Großharthau zum festlich geschmückten Gerätehause und von dort aus zur Wiese bei der Schule, woselbst die Prüfung der Großharthauer Wehr und der Pflichtfeuerwehr in Gegenwart des Landesverbandsvorsitzenden Müller, Schmiedeberg, des Verbandsvorstandes, sowie zahlreicher Kameraden und Einwohner vorgenommen wurde. Die Prüfungskommission bestand aus den beiden Herren Bezirksleitern Schubert, Neschwitz, als Vorsitzenden und Kasper, Hainitz, sowie Vorstandsmitglied Lindner, Purschwitz. An den Fußdienst schlossen sich Übungen an der Handdruck- und Motorspritze sowie solche am Steigerhause der Schule unter den einzelnen Führern an, die viel Interesse fanden. Währenddessen wurde in der Schulturnhalle die Bezirks-Samariterübung im Beisein der Herren Dr. med. Gneuß, Burkau, und des Dezernenten für das Samariterwesen, Herrn Branddirekt. Weineck, Demitz-Thumitz, abgehalten und dabei an Schülern 7 verschiedenartige Unglücksfälle behandelte. 11.25 Uhr ertönte das Signal zu dem Sturmangriff nach folgendem Plane. "Aus unbekannter Ursache ist in der Scheune des Gutsbesitzers Kurze Feuer ausgebrochen. Beim Eintreffen der Wehr schlagen die Flammen aus dem nördlichen Giebel heraus." Bereits 3 Min. später wurde das erste Wasser auf das angenommene Brandobjekt abgegeben und dasselbe mit 3 Motorspritzen- und einer Handdruckspritzenleitung wirksam bekämpft. Die Samariter behandelten dabei auf dem Schulhofe einen Fall von Rauchvergiftung mit künstlicher Atmung. In der anschließenden Kritik in der Schulturnhalle bemerkte Herr Branddirektor Schubert, Neschwitz, dass die sämtlichen Übungen zufriedenstellend gewesen seien und deshalb die Prüfungskommission die Gesamtzensur "Gut" erteilt habe. Landesverbandsvorsitzender Müller, Schmiedeberg, gab seiner Freude dahin Ausdruck, einer mustergültigen Prüfung beiwohnen zu können. Alles Vorgeführte habe einen präzisen Gesamteindruck gemacht, namentlich müsse der Steigerzug eine Elitetruppe genannt werden. Er schließe sich deshalb voll und ganz dem Ausspruche der Prüfungskommission an. Da die Wehr im Herbste 10 Jahre bestehe, so hoffe er, dass sie auch in den nächsten 10 Jahren den gleichen Diensteifer und hohen Ausbildungsgrad zeige, wozu er herzlichste Glückwünsche aussprach. Der Sanitätsdienst sei in geradezu glänzender Weise vor-geführt worden, und da auch Herr Dr. med. Gneuß, Burkau, mit demselben zufrieden sei, so könne man es erst recht sein. Im Namen des Landesverbandes dankte er dem Kolonnenarzt mit herzlichen Worten dafür, dass er sich in uneigennütziger Weise hierfür und bei der Ausbildung zur Verfügung gestellt habe. Anschließend fand auf dem Festplatze beim "Kyffhäuser" unter Herrn Obersignalist Berger, Bischofswerda, ein recht beifällig aufgenommenes Massenkonzert von rund 60 Feuerwehrmusikern statt. Nach der Mittagspause zogen die Wehren mit klingendem Spiel zum Stellplatze des Festzuges beim Gasthof "Zur Erholung", wo sich auch die Ortsvereine usw. sammelten. Gegen 3 Uhr erfolgte von hier aus der Abmarsch des Festzuges, der ein eindrucksvolles, geschlossenes Gesamtbild bot, durch den Ort 5 Fahnen und 20 Musikkapellen, bzw. Spielmannszüge begleiteten denselben und sorgten hinreichend für Marschmusik. Der Festzug setzte sich, wie folgt, zusammen: Freiw. Feuerwehr Großharthau (1. Abteilung), SA., Militärverein, Unterstützungsverein, Männergesangsvereine "Concordia" und "Rau & Vogel", fünf Wagen mit dem Landesverbandsvorsitzenden Müller, Kreisvertreter Fischer, dem Verbandsvorstand, Kreisvertreter Hordler, Radeberg, vom Bezirksverband Dresden sowie den Herren des Ehrenausschusses und sonstige Ehrengäste, der Turnverein, 46 Bezirksverbandswehren, Freiw. Feuerwehr Großharthau (2. Abteilung) mit der geschmückten Spritze und 2 Reiter. Nach dem Aufmarsch des sehenswerten und imposanten Zuges auf dem Festplatz beim "Kyffhäuser" richtete zunächst Herr Kreisvertreter Fischer herzliche Begrüßungsworte an die Teilnehmer, während Herr Bürgermeister Haufe, Großharthau, in eindrucksvollen und markigen Worten der großen Bedeutung der Veranstaltung und deren Ziele gedachte. Die schwarzweißroten und Hitlerfahnen zeigen, dass die gemeinnützige Sache der Feuerwehren aufs innigste mit der Heimat und dem Vaterlande verbunden sei. Er ermahnte alle zur Einigkeit und Treue und schloss mit einem 3fachen "Sieg Heil!" auf das deutsche Vaterland und dessen oberste Führer. Landesverbandsvorsitzender Müller, Schmiedeberg, entbot im Namen desselben herzlichste Grüße. Er dankte den Wehren, dass diese 57 Jahre in Treue dem Verbande gedient in der Hoffnung, dass sie dies auch in der Zukunft tun werden. Die Sache der Feuerwehren könne nicht besser beschlossen werden als mit einem dreifachen "Sieg Heil!" auf unseren verehrten Herrn Reichspräsidenten und Volkskanzler Adolf Hitler. Der gemeinsame Gesang des Deutschlandliedes folgte. Die Grüße des Kreisverbandes Dresden sprach Herr Kreisvertreter Hordler, Radeberg, aus. Er wünschte Aufrechterhaltung der bisherigen guten kameradschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Verbänden nicht nur von Führer zu Führer, sondern auch von Mann zu Mann. Er lud zum Verbandstage in Dresden herzlichst ein und brachte auf die freundschaftlichen kameradschaftlichen Verhältnisse mit dem Bezirksverband Bautzen ein 3faches "Gut Wehr!" aus. Nach einem Dank des Verbandsvorsitzenden für die vorzügliche Durchführung erreichte gegen 1/2 5 Uhr der bei Regenwetter begonnene und abgeschlossene 58. Verbandstag sein offizielles Ende. Ein Teil der auswärtigen Wehren rüstete zur Heimkehr, während die übrigen Wehren noch fröhlich in kameradschaftlichem Geiste mit der Großharthauer Wehr und freundlichen Quartiergebern zusammenblieben."

Im Dezember 1933 waren 10 Jahre seit der Gründung unserer Freiwilligen Feuerwehr vergangen. In der Beilage der Tageszeitung "Der sächsische Erzähler" schrieb man dazu in Ausgabe Nr. 289 folgenden Artikel:
"Großharthau, 11. Dez. 10-Jahrfeier der Freiwilligen Feuerwehr. Am Sonnabend, 9. Dezember, abends 8 Uhr, hatten sich die Kameraden mit ihren Frauen und zahlreichen Gästen im Gasthof "Zur Erholung" in Großharthau eingefunden um ihr 10jähriges Stiftungsfest zu feiern. Der Wehrführer, Herr Max Hartmann, entbot allen Festteilnehmern einen herzlichen Willkommgruß. Er begrüßte besonders alle Ehrenmitglieder, die Herren Bürgermeister a. D. Kurze und Bürgermeister Haufe, sowie den Landesverbandsvorsitzenden Herrn Müller - Schmiedeberg, Herrn Kreisvertreter Fischer - Bischofswerda, Herren Branddirektor Weineck - Demitz-Thumitz, Branddirektor Görling und Kommandant Eckhardt - Bautzen und stellv. Branddirektor Tröger - Bischofswerda. Hierauf wurde das Deutschlandlied gesungen. Herr Landesverbandsvorsitzender Müller übermittelte die Glückwünsche des Landesverbands und hob den großen Wert der Freiwilligen Feuerwehren hervor. Herr Kreisvertreter Fischer schloss sich den Glückwünschen im Namen des Bezirksverbands der Amtshauptmannschaft Bautzen an und dankte der Wehr sowie der gesamten Einwohnerschaft für die Unterstützung während des Verbandstages am 24. und 25. Juni. Herr Bürgermeister Haufe dankte der Wehr im Namen der Gemeinde für die 10 Jahre geleisteten Dienste und wünschte der Wehr ein frommes Blühen und Gedeihen. Die Wehr wurde am 8. Dezember 1923 unter der Leitung des Herrn Bürgermeister Kurze gegründet; es konnten 24 Kameraden durch den Herrn Kreisvertreter geehrt werden, der ihnen mit ehrender Ansprache die Litzen des Bezirksverbandes der Amtshauptmannschaft Bautzen für 10jährige Dienstzeit aushändigte. Es sind folgende Kameraden: Max Hartmann, Paul Seidel, Albert Pegel, Alfred Richter, Rudolf Botta, Kurt Botta, Walter Gocht, Hermann Winkler, Arthur Ufer, Martin Schelzel, Alfred Gocht, Richard Kettner, Erich Venus, Arthur Jäckel, Richard Voigt, Bruno Großmann, Alfred Rodig, Bruno Lehmann, Richard Zschiedrich, Walter Rüdrich, Richard Lehmann, Paul Schossig, Arthur Hillmann, Kurt Mutscher. - Nach diesem Ehrungsakt trat der Ball in seine Rechte."
Für ununterbrochene 10jährige Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Großharthau erhielten die Kameraden das abgebildete Abzeichen. Bis zu welchem Jahr die Verleihungen stattfanden, ist nicht bekannt. Das Abzeichen stammt aus dem Nachlass des Kameraden Paul Seyffert.
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Zu Beginn des Jahres 1934 wurde der Besitzer des hiesigen Rittergutes Fürst Günther zu Schwarzburg zum ersten außerordentlichen Mitglied, später Ehrenmitglied, unserer Wehr ernannt. Da er sehr volksverbunden war, hatte er außer zu den Vereinen des Ortes auch zur Feuerwehr gute Kontakte und Beziehungen und war an deren Arbeit interessiert.
Am 23. April ging es wieder nach Frankenthal zur Schadensfeuerbekämpfung. Es brannte die Scheune und der Pferdestall des Bauers Max Barsch. Die Rammenauer Wehr war als erste Nachbarwehr mit ihrer Motorspritze auf Auto am Ort und bekam die 1. Prämie. Die 2. Prämie ging an unsere Wehr, die mit ihrer Motorspritze mit Pferdebespannung als zweite Auswärtige am Brandplatz war. Das Feuerwehrfest in diesem Jahr war wiederum ein voller Erfolg und zeigte die Verbundenheit der Einwohner mit unserer Wehr. Nach dem Stellen zum Umzug bei Zschiedrich's ging es dann durch den prächtig geschmückten Ort zu Rüdrich's Einkehrhaus. Allen voran ging wie immer die Wehrkapelle, gefolgt von der großen Kinderschar. Auf der Festwiese warteten verschiedene Belustigungen auf Groß und Klein. Besonders das von den Kameraden selbst gebaute Karussell und die "Autobahn" erfreute die Kinderherzen. Im Herbst 1934 nahmen 3 Kameraden der FFw an einem Lehrgang in Bautzen zur Brandbekämpfung im Luftschutz teil. Dabei ging es auch um die Bekämpfung von Bränden, die durch Brandbomben entstehen. Das diese Lehrgänge Maßnahmen zur Vorbereitung eines erneuten Weltkrieges waren, dachten sicherlich die Wenigsten. Das alljährige Stiftungsfest fand am 1. Dezember im "Kyffhäuser" statt. Die Hauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr fand am 30. Dezember in der Gaststätte beim Kameraden Rüdrich statt.

Im Februar 1935 bekam die mechanische Schuhfabrik Rau & Vogel AG. eine mit den modernsten technischen Neuerungen ausgestattete Motorspritze von der Firma Fischer aus Görlitz. (Diese Motorspritze befindet sich noch heute im Besitz unserer Wehr.) Damit besaß unser Ort zwei Motorspritzen, welche einen recht wirksamen Feuerschutz in der Gemeinde darstellten. Am 26. Juli 1935 führte die Freiwillige Feuerwehr eine gemeinsame Übung mit der Betriebsfeuerwehr der Schuhfabrik durch. Am 3. November, es war Kirmes-Sonntag, ertönte gegen 1/2 7 Uhr in unserem Ort Feueralarm. Die Wirtsleute Dietrich im Gasthofe "Zum Kyffhäuser" bemerkten beim Aufstehen, dass das Hausinnere in dichten Qualm gehüllt war. Innerhalb von 5 Minuten war die Freiwillige Feuerwehr unter dem Kommando ihres Hauptmanns Max Hartmann mit der Motorspritze zur Stelle. Da es sich aber um einen Gaststubenbrand handelte, wurde die Motorspritze nicht eingesetzt. Unter Anwendung von Rauchmasken wurde der Brand mit Wassereimern in umsichtiger und intensiver Arbeit in kurzer Zeit wirksam bekämpft, so dass die zur Hilfe eingetroffenen Feuerwehren von Frankenthal, Rammenau und Goldbach nicht eingreifen brauchten. Vollkommen verbrannt bzw. stark angekohlt wurden das Büfett, der Zigarrenschrank und das elektrische Klavier. Decken und Wände wurden durch den Qualm stark geschwärzt, so das beträchtlicher Schaden entstand. Der Betrieb in der nach Rauch riechenden Gaststube wurde jedoch aufrecht erhalten. Die Entstehungs-ursache des Brandes ist unbekannt.
Zur Jahreshauptversammlung unserer Wehr im Dezember 1935 schrieb "Der sächsische Erzähler" unter der Rubrik Feuerwehr-Rundschau folgendes:
"Großharthau. Die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr am Sonntagnachmittag beim Kameraden Rüdrich, die nahezu vollzählig besucht war, wurde vom Hauptmann Max Hartmann mit begrüßenden Worten an den Branddirektor Bürgermeister Haufe, sowie die aktiven und passiven Kameraden eröffnet. Aus dem sehr gut ausgearbeiteten Jahresbericht des Hauptmanns Hartmann war u.a. zu ersehen, daß die Tätigkeit mit dem Luftschutzkursus am 23. Februar begann, die Hauptübung am 28. September stattfand und die praktischen Übungen am 26. Oktober beendet wurden. Außerdem wurden noch 5 Versammlungen und 7 Kommandositzungen abgehalten. Die Wehr wurde fünfmal alarmiert und rückte zweimal nach auswärts ab. Im Orte war sie tätig am 15. März beim Molkereibrand, im Juli beim Stubenbrand in der Dittelschen Drogerie und am 3. November beim Gaststubenbrand im "Kyffhäuser". Dank energischen Eingreifens und umsichtiger Führung konnten sämtliche Brände im Keime erstickt werden. Am 11. August wurde das Familienfest und am 30. Novbr. das 12. Stiftungsfest gefeiert. Außerdem fand ein Ausmarsch mit Versammlung im Gasthaus zur Grenze - Kyffhäuser statt. Sämtliche Veranstaltungen des Bezirkes und des Verbandes wurden besucht, darunter der Verbandstag in Bautzen und der "Rote Hahn" in Dresden. Eine ganze Anzahl von Kameraden konnte für 5- und 10jährige treue Dienstzeit ausgezeichnet werden. Er dankte ferner der Kapelle für die im Laufe des Jahres geleistete Sonderarbeit und bat die Kameraden um weitere Mitarbeit und fleißigen Übungsbesuch auch im neuen Dienstjahre. - Hauptmannstellvertreter Richter dankte dem Wehrführer für seine erfolgreiche und umsichtige Arbeit mit einem dreifachen "Gut Wehr". Hauptmannstellvertreter Richter hielt dann einen interessanten und lehrreichen Aufklärungsvortrag über Gas- und Rauchschutzfragen im Feuerwehrdienste. Wie auch die letzten Brände bewiesen, war bisher der gefährlichste Gegner der Feuerwehr der Rauch; deshalb muss man so viel als möglich versuchen, zum Innenangriff überzugehen und den Brand im Keime zu ersticken. Er schilderte die verschiedenen Rauchschutzmittel vor und nach dem Kriege, die Anwendung der Gasmasken und Filter, die Ausbildung der Mannschaften und die gesundheitsschädlichen Wirkungen der Rauchgase. Wünschenswert sei jedoch die Anschaffung weiterer Gasmasken, um die Schlagfertigkeit der Wehr zu erhöhen. Hierauf wurde der Übungsplan für 1936 festgesetzt. Er beginnt mit dem 1. März und endet am 8. November. Die 5 aus dem Kommando ausscheidenden bewährten Kameraden wurden auch für die nächsten zwei Jahre einstimmig wieder bestätigt, und zu Rechnungsprüfern der aktive Kamerad Arthur Teich, sowie die passiven Kameraden Emil Gnauck und Emil Dubsky gewählt. Nach Verlesung eines Dankschreibens vom Fürstlichen Rentamt für die beim Kyffhäuserbrand geleistete wertvolle Hilfe dankte Bürgermeister Branddirektor Haufe im Namen der Gemeinde der Wehr für ihre im Allgemeininteresse geleistete Arbeit und wünschte, dass die Wehr auch im neuen Dienstjahre unter ihrem Wahlspruche die ihr gestellten Aufgaben so erfolgreich wie bisher lösen möge. Die Jahreshauptversammlung schloss mit einem kameradschaftlichen Beisammensein unter musikalischen Darbietungen der Wehrkapelle ab."
Der Kamerad Rudolf Botta erhielt 1935 für seine langjährigen treuen Dienste in der Wehr den Rang eines Ehrenmitgliedzugführers und der ehemalige Bürgermeister, Herr Hermann Kurze, wurde zum Ehrenmitglied der Wehr ernannt.

Im Jahre 1936 wurde durch einen Runderlass des Reichspräsidenten des Inneren die schnellst mögliche Motorisierung der Feuerwehren gefordert. Durch diese Maßnahme war es nun möglich auch anderen Gemeinden schnell zu helfen. Am 27. Mai erschien eine für alle Feuerwehren geltende Bekleidungsordnung. Danach waren die Uniformröcke blau und hatten einen Schulterriemen. Die Abzeichen mussten unverzüglich geändert werden. Von nun an trugen die Feuerwehren das Polizei - Hoheitszeichen des faschistischen Staates. Im Großen und Ganzen ähnelten die Uniformen denen der Polizei. Im Mai 1936 wurden die Feuerwehren dem Reichsführer SS und dem Chef der Deutschen Polizei unterstellt.
Am 9. Juni 1936 brannte auf dem Bahnhofsgelände ein mit amerikanischen Baumwollballen beladener Güterwagen. Er wurde abgekoppelt und auf den Güterbahnhof geschoben. Dort löschte unsere Feuerwehr den Brand. Die Brandursache war vermutlich Selbstentzündung.

1937 erhielt unsere Wehr eine neue, dunkelblaue Dienstuniform mit silberfarbigen blanken Knöpfen, Käppi und Schutzhelm. Der Helm war aus Blech und trug, wie auch das Käppi, das Polizeiabzeichen. Diese Helme verwendete man teilweise noch bis zur Wiedervereinigung Deutschlands, natürlich ohne Polizeizeichen! Außer der Dienstuniform hatte jeder Kamerad eine zweite Uniform, bestehend aus einem Tuchrock und einer Schirmmütze mit Polizeiabzeichen für Versammlungen, festliche Anlässe usw. Sie war das Eigentum eines jeden Kameraden. Das folgende Bild zeigt die Kameraden v.l. Erhard Steglich, Max Hartmann und Kurt Hillmann in den damaligen Uniformen der FFw.
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Das Ärmelabzeichen der Feuerwehruniformen von 1937 bis Mai 1945 trug die Umschrift Großharthau. Das Abzeichen befand sich am linken Ärmel der Männer- und Frauenuniformen. Von Motten zerfressen und aus 8 Einzelteilen bestehend, wurde das hier abgebildete Stück gefunden. Mit viel Mühe gelang es, die einzelnen Teile des Abzeichens wieder zusammenzusetzen und so für die Zukunft zu erhalten.
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In dieser Zeit waren in Deutschland die Kriegsvorbereitungen im vollen Gange. Für den Fall, einer feindlichen Bombardierung deutscher Städte und Dörfer wurde die Feuerwehr auch auf solche Einsätze vorbereitet und Luftschutzmassnahmen getroffen.
Der damalige Wehrführer, Kamerad Max Hartmann, war gleichzeitig Luftschutzobmann, auch Luftschutzführer genannt. Ihm waren die Blockwarte, in der Regel ältere Männer, die für den Kriegsdienst nicht mehr geeignet waren, unterstellt. Sie hatten die Verantwortung in den verschiedenen Blöcken. Ihnen wiederum hatte man die Brandwarte unterstellt. Sie trugen die Verantwortung für ein oder teilweise auch für mehrere Häuser und waren vielmals Frauen. Weiter gab es für jedes Haus einen Leihenhelfer, wie Dienstmädchen, Haushalthilfen usw.

Großharthau war in folgende 10 Blöcke eingeteilt.
Block 01 - Bahnhofsviertel
Block 02 - Siedlung
Block 03 - Grundstück Claus Nr. 1 - Grundstück Kurze Nr. 16
Block 04 - Malzfabrik - Grundstück Reif Dresdener Str. Nr. 5
Block 05 - Grundstück Polte Nr. 17 - Grundstück Lohse Nr. 36
Block 06 - Grundstück Kießlich Nr. 37 - Grundstück Richter Nr. 62
Block 07 - Grundstück Forker Nr. 63 - Grundstück Rodig Nr. 79
Block 08 - Grundstück Eisold Nr. 80 - Grundstück Gemeinde Nr. 97 b
Block 09 - Grundstück Oehme Nr. 98 - Grundstück Gocht Nr. 119
Block 10 - "Kyffhäuser" Nr. 120 - Bahnhaus Nr. 133

Ziel dieser Sache war es, die gesamte Bevölkerung auf einen eventuellen Krieg so vorzubereiten, dass diese genaustens wusste, was im Ernstfall zu tun ist. Vor allem die Frauen waren in die Pflicht genommen, da bei Ausbruch eines Krieges, die meisten Männer zum Militär berufen würden.

1938 kaufte die Gemeinde Großharthau das erste Auto für ihre FFw. Es wurde von einem Autohändler aus Groitzsch, bei Leipzig, bezogen. Es war ein Fahrzeug der Marke Daimler Benz. Dieses hatte einen Viertaktmotor mit 6 Zylindern und Kompressor, 6202 ccm und 100/140 PS. Das Auto war mit einem abnehmbaren Verdeck ausgestattet. Herr Bürgermeister Ernst Haufe bekam am 16. Juli 1938 den Kraftfahrzeugschein von der Amtshauptmannschaft Bautzen ausgehändigt.
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Das amtliche Kennzeichen des Autos lautete Pol - 27007. Für unsere Wehr wurde es mit grüner Farbe gespritzt und an die Türen kam die Aufschrift "Feuerschutz - Hilfspolizei Großharthau" und das Hoheitszeichen der Polizei. Zum Auto bauten Schmiedemeister Martin Paufler und Klempnermeister Kurt Schürer einen einachsigen Anhänger zum Transport der Motorspritze. Nun, da unsere Wehr motorisiert war, konnte man schnellstens am Brand- oder Unglücksorte sein und Hilfe leisten.
Kamerad Hantsch von der FFw Großharthau schrieb 1999 zweimal an die Daimler Chrysler AG um Näheres zu erfahren. Im ersten Antwortschreiben hieß es unter anderem: "Das Mercedes Benz Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer 35538 wurde als Mercedes-Benz Typ 24/100/140/ PS Modell 630 am 25.04.1928 über die Daimler-Benz-Niederlassung Leipzig an die Kammgarnspinnerei Stör & Co. AG, Leipzig, ausgeliefert. Es handelte sich vermutlich um einen "Offenen Tourenwagen" mit 6-7 Sitzen." Und im zweiten Schreiben: "Beiliegend übersenden wir Fotos und weitere Informationen über den o. g. Fahrzeugtyp. Wir hoffen Ihnen damit geholfen zu haben."

Im Januar 1939 hatte die FFw 59 aktive Mitglieder. Im September wurden 27 Kameraden zum Kriegsdienst einberufen. 5 befanden sich bereits beim Heer. Zu den eingezogenen Kameraden gehörte auch unserer Wehrführer Max Hartmann. Seine Funktion übernahm Kamerad Kurt Botta.
Über das letzte Sommer- und Kinderfest der FFw am 13. August 1939 vor Ausbruch des II. Weltkrieges, schrieb "Der sächsische Erzähler" am 14. August:
"Großharthau, 14. Aug. Ihr alljährliches Sommer- und Kinderfest hielt am Sonntagnachmittag die Freiwillige Feuerlöschpolizei ab. Tagelang vorher hatten bewährte freiwillige Helfer den Festplatz beim Kameraden Rüdrich festlich mit buntbebänderten Birken, Girlanden, Fahnen und Fähnchen geschmückt, ein kleines Karussell aufgestellt und die Gelegenheit zum Schießen usw. vorbereitet. Die Wehr mit ihrer Kapelle zog mit rund 80 Kindern vom Stellplatz bei Zschiedrichs unter flotter Marschmusik zum Festplatz, wo in feierlicher Weise zuerst die Flaggenhissung vorgenommen wurde. Hauptbrandmeister Max Hartmann begrüßte die Kinder, Angehörigen und Kameraden. Auf dem Festplatz entfaltete sich bald darauf ein reges Leben und Treiben; auch boten die Mädchen außer verschiedenen Spielen und Reigen einen Bändertanz, die wie die Vorführungen der Knaben eine recht beifällige Aufnahme fanden. Unter ihrem Musikleiter Kamerad Großer bot die Kapelle ein schneidiges Unterhaltungskonzert, während die Knaben sowie die Erwachsenen beim Scheiben- und Bogenschießen recht gute Ergebnisse erzielten und dafür schöne Preis erhielten. Beim Vogelschießen wurde 1. Meisterschütze Horschke jun. und 2. Meisterschütze Rudolf Kaschell. Mit Eichenkränzen geschmückt, erfolgte ein Umzug der neuen Würdenträger mit der Kapelle. Bei Beginn der Dunkelheit fand ein farbenprächtiger Lampionumzug statt, der sich auf dem Festplatz auflöste. Hauptbrandmeister Hartmann dankte zum Schluss allen freiwilligen Helfern für ihre treue Arbeit und schloss das wohl gelungene Fest mit einem Gedenken an den Führer."

Am 20. Juni 1940 fiel in den Vogesen, Frankreich, als erster Angehöriger der FFw Großharthau Arthur Teich, Gefreiter in einem Infanterie - Regiment. Ihm sollten noch viele folgen.
Am 30. Juni 1940 rückte unsere Wehr mit Feuerwehrauto und Motorspritze zur Hilfeleistung nach Frankenthal aus. Es brannte ein Haus im Ortsteil Beigut. Außerdem waren noch die Wehren von Rammenau und Bischofswerda mit Motorspritzen sowie Hauswalde mit Handdruckspritze am Brandplatze erschienen. Eingreifen brauchte man jedoch nicht mehr, da der Brand war bereits von der Frankenthaler und Goldbacher Feuerwehr gelöscht worden war.

1942, am 11. September, beschlossen die Gemeindeverordneten eine Handdruckspritze zu demontieren und für Kriegszwecke der Eisensammelstelle zuzuführen. Am 23. September stellt die Gemeinde beim Landrat in Bautzen ein Gesuch für eine Beihilfe zum Bau eines Feuerlöschwasserbehälters auf der Siedlung. Der Behälter sollte ursprünglich auf das Gelände des Forsthauses gebaut werden. Das Forstamt Fischbach gab jedoch keine Zustimmung und so stellte die Firma Gebr. Steglich - Mechanische Weberei/Berufskleiderfabrik - Bauland unmittelbar an der Siedlungsstraße zur Verfügung.

In den Kriegsjahren mussten immer mehr Feuerwehrangehörige in den Krieg und die Mitgliederzahl der aktiven Kameraden sank. Laut einem Heft mit dem Titel "Übersicht über Gliederung der sächs. Freiwilligen Feuerwehren 1942" hatte Großharthau 1700 Einwohner und unsere Wehr 49 Mitglieder. Im Kassenbuch sind im Januar 1942 jedoch nur 18 Mitglieder eingetragen. Wahrscheinlich zählte man nichtaktive Kameraden, Knaben der HJ - Feuerschar und die Frauengruppe, die damals Feuerwehrtätigkeiten übernommen hatten, mit dazu.

Das Einsetzen der weiblichen Bevölkerung in allen Bereichen des alltäglichen Lebens, was man schon vor Jahren geplant und vorbereitet hatte, war schreckliche Wirklichkeit geworden, denn der Krieg hatte Deutschland erreicht.
Zu einer Versammlung betreffs Feuerlöschwesen mussten Frauen aus unserem Ort am 3. Februar 1944, abends 8 Uhr, im "Kyffhäuser" erscheinen. Die Teilnahme war Pflicht und wurde mit eigenhändiger Unterschrift bestätigt. Es kamen Waldraut Teich, Marianne Rötschke, Annelies Hausstein, Annelies Venus, Grete Haschke, Liesbeth Ziegenbalg, Erika Hörnig, Gertraud Eisold, Gertrud Gnauck, Elly Stange, Johanna Seim, Liesa Hippe, Hilda Rötschke, Irmgard Stange, Thea Paufler, Marianne Grohmann, Irmgard Lehmann, Ilse Gnauck, Anni Schelzel, Isolde Seifert, Luise Caspar, Anni Geißler, Liesa Schöne und Annelies Höhnel. Ebenfalls auf der Liste stehen die Namen von Hilda Schneider, Lisa Paufler, Lieselotte Hirsch und Elsa Predel. Wahrscheinlich wurden sie später nachgetragen, denn es fehlt die Unterschrift und die fortlaufende Nummerierung. Laut Kassenbuch hatte unsere Wehr im März 1944 nur noch eine Stärke von 18 aktiven Kameraden. Im Heft "Übersicht über Gliederung der sächs. Freiwilligen Feuerwehren 1944" wird die Stärke mit 38 Mitgliedern angegeben. Am 17. Mai 1944 wurde mit den Bauarbeiten des Feuerlöschwasserbehälters auf der Siedlung begonnen. Den Wasserbehälter baute das Baugeschäft Herbert Wobst aus Bischofswerda. Er kostete 3901,54 RM und war am 18. September 1944 fertiggestellt. Der Behälter war bis zum Bau der zentralen Wasserversorgung auf der Siedlung im Jahre 1992/93 im Betrieb. Ein Kameradschaftsabend der Frauen- und Männergruppe der FFw fand am 2. Weihnachtsfeiertag 1944 statt.

1945 hatten die Alliierten Armeen Deutschland erreicht. Im Osten rückte die Rote Armee auf Berlin vor und täglich kamen hunderte Menschen auf der Flucht, mit dem wenigen was ihnen geblieben war, durch Großharthau. Ende April, Anfang Mai verließen auch viele Großharthauer Einwohner ihren Heimatort. Am Sonntag, den 06. Mai 1945 verließ das Auto unserer Freiwilligen Feuerwehr für immer Großharthau. Kurt Botta als Fahrer, Bürgermeister Ernst Haufe mit seiner Frau Minna, Schwiegertochter Elfriede mit ihren beiden Töchtern Eveline und Sigrun begaben sich mit dem Auto auf die Flucht. Mitgenommen wurden noch die beiden Nachbarskinder Dieter und Klaus Noah und wichtige Unterlagen der Gemeinde. An das Feuerwehrauto hatte man noch das Auto von Kurt Botta, Marke Opel P 4, angehängt. Im Opel waren seine Frau Ella Botta, Tochter Käthe und am Steuer saß unser 2001 verstorbenes Ehrenmitglied Herbert Haufe. Die Fahrt ging über Stolpen nach Langenwolmsdorf. Dort angekommen, fand man in einem Bauernhof Unterschlupf. Einige Tage später wurde das Auto von Soldaten der Roten Armee beschlagnahmt. Der sowjetische Stadtkommandant von Stolpen benutzte das Auto danach. Wie lange wohl? Was letztendlich aus dem Feuerwehrauto wurde, ist nicht bekannt. Am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland und der II. Weltkrieg war zu Ende. Der wohl schrecklichste Krieg aller Zeiten kostete ca. 50 Millionen Menschen das Leben. Mehr als 10 Kameraden unserer Freiwilligen Feuerwehr starben auf den Schlachtfeldern des Krieges und sahen ihren Heimatort nicht wieder.
Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr
von 1923 - 2011
1923 - 1927 Emil Liebscher
1928 - 1929 Walter Grundmann
1929 - 1939 Max Hartmann
1939 - 1945 Kurt Botta
1945 - 1947 Max Hartmann
1948 - 1954 Kurt Botta
1955 - 1958 Walter Großmann
1958 - 1959 Bruno Lehmann
1959 - 1979 Herbert Haufe
1979 - 1992 Siegfried Holz
1992 - 2012 Gunter Schlenkrich
seit 2012 Heimo Claus

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